Azubis bringen Grundgesetz zum Strahlen: Fensteraktion in Nienburg!
Am 11.11.2025 gestalten Auszubildende in Nienburg das Rathaus mit Grundgesetz-Auszügen zum Gedenken an die Reichspogromnacht.

Azubis bringen Grundgesetz zum Strahlen: Fensteraktion in Nienburg!
Am 11. November 2025 war das Nienburger Rathaus festlich geschmückt und in eine besondere Aktion eingebunden. Vier Auszubildende der Stadt hatten sich dazu entschlossen, mit Pinsel und Malerkitteln Fenster des Rathauses mit Auszügen aus dem Grundgesetz zu gestalten. Diese kreative Initiative fand im Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November statt, einem traurigen Kapitel in der deutschen Geschichte, das jedem ins Gedächtnis gerufen werden sollte. Besonders Bürgermeister Jan Wendorf hob die Bedeutung dieses Projekts hervor, da die aktuellen gesellschaftlichen Spannungen es umso wichtiger machen, die Werte der deutschen Verfassung sichtbar zu präsentieren. Der Gedenktag der Reichspogromnacht ist ein starker Hinweis darauf, wie es zur schrecklichen Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung Mitte der 1930er Jahre kam und wie wichtig es ist, die Erinnerung wachzuhalten. Kreis Zeitung berichtet, dass die Auszubildenden mit ihren kunstvollen Arbeiten Sätze wie „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ in großen Buchstaben malten.
Die Fenster des Rathauses zieren nicht nur die Wände im Innenhof, sondern auch die Gebäudeseite zur Langen Straße. Damit alle Passanten und Bürger die Botschaften der Demokratie und Menschlichkeit sehen können, wurde sogar eine Hubarbeitsbühne des Baubetriebshofes eingesetzt, um auch die oberen Etagen zu erreichen. Wendorf betonte in seiner Ansprache: „Es ist unerlässlich, dass wir die Botschaften der Verfassung in die Sichtbarkeit rücken, besonders an einem Tag, der an so viel Unrecht erinnert.“
Ein Blick in die Geschichte
Die Reichspogromnacht, auch bekannt als Kristallnacht, fand am 9. und 10. November 1938 statt und war ein verheerender Angriff auf die jüdische Bevölkerung in Deutschland und Österreich. Über 7.000 jüdische Geschäftshäuser wurden beschädigt oder zerstört, mehr als 1.400 Synagogen in Brand gesteckt und rund 30.000 jüdische Männer ins Gefängnis gebracht, während über 91 Menschen ihr Leben verloren. Diese erschreckenden Ereignisse geschahen im Kontext einer systematischen Verfolgung, die bereits mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 eingeleitet worden war. Wikipedia beschreibt diese Nacht als einen Wendepunkt, an dem sich die Gewalt gegen Juden von sozialer und wirtschaftlicher Ausgrenzung hin zu physischer Gewalt und Massentätern wendete.
Die internationale Reaktion auf die Kristallnacht war von Empörung geprägt; Regierungen auf der ganzen Welt verurteilten die barbarischen Übergriffe. Der Vorfall gilt als entscheidender Moment in der Geschichte des Holocaust, da er die Dringlichkeit der Flucht und die Notwendigkeit zu handeln in den Vordergrund stellte. Von den damals noch in Deutschland lebenden Juden flohen nach den Ereignissen zahlreiche Menschen, was den Beginn einer massiven Emigrationswelle einleitete.
Die Aktion in Nienburg erinnert uns daran, wie wichtig der Schutz und die Verteidigung der Menschenrechte sind. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, sollte jeder von uns dazu beitragen, das Erbe der Freiheit und Gleichheit zu bewahren. Die Auszubildenden haben mit ihrer Kellerkunst einen kleinen, aber bedeutsamen Beitrag geleistet, um diesen wertvollen Lebensgrundsatz im Gedächtnis der Bürger zu verankern.