Der Rosenmontag, ein Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, brachte in diesem Jahr wieder zahlreiche Narren und Närrinnen auf die Straßen Baden-Württembergs. Die Feierlichkeiten, die am 16. Februar 2026 stattfanden, zogen Zehntausende in den Bann der bunten Umzüge und traditionellen Bräuche. In Freiburg beispielsweise waren trotz widriger Wetterbedingungen wie Regen und Wind 120 bis 130 Narrenzünfte und über 4000 Hästräger aktiv. Das zeigt einmal mehr, wie tief verwurzelt die Fastnacht in der lokalen Kultur ist.
In Rottweil wurde um 8 Uhr der traditionelle Narrensprung zelebriert, während in Weil am Rhein und Lörrach die „Rotssuppe“ und humorvolle Büttenreden im Vordergrund standen. Schramberg feierte mit der Zuber-Kapitäne, die zur Bach-na-Fahrt aufbrachen, und in Calw startete der Nachtumzug um 19:01 Uhr. Auch Sigmaringen-Laiz ließ sich nicht lumpen: Hier fand um 6 Uhr das große „Wecken“ statt, bei dem Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf einer Holzstange um den Narrenbaum getragen wurde.
Traditionen und Bräuche der schwäbisch-alemannischen Fastnacht
Die Ursprünge der schwäbisch-alemannischen Fastnacht reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als Feste zur Aufbrauchung verderblicher Lebensmittel gefeiert wurden. Die Fastnacht selbst wird im südwestdeutschen Raum sowie Teilen der Nordost- und Zentralschweiz als eigenständige Form seit dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zelebriert. Sie unterscheidet sich deutlich vom rheinischen Karneval. So gibt es in dieser Region eine Vielzahl an traditionellen Narrenfiguren, die oft in Gruppen auftreten, darunter Hexen, Teufel und die berühmten Narren selbst.
Besonders markant sind die Masken, die sogenannten „Larven“, aus Holz, Stoff oder anderen Materialien, die die Teilnehmer tragen. Diese Kostüme werden häufig über Generationen vererbt, was der Tradition eine besondere Note verleiht. Die UNESCO hat die schwäbisch-alemannische Fastnacht im Dezember 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, was die kulturelle Bedeutung dieses Brauchs unterstreicht.
Feierlichkeiten und Gemeinschaftserlebnis
Die Fastnacht beginnt traditionell am Dreikönigstag (6. Januar) mit dem Abstauben der Narrenutensilien. Der erste große Höhepunkt ist der „Schmutzige Donnerstag“, drei Tage vor Fastnachtssonntag, an dem die meisten Umzüge und Veranstaltungen stattfinden. Es ist ein gemeinschaftliches Erlebnis, das die Ordnungen des Alltags auf den Kopf stellt. Tausende Menschen aus der ganzen Welt kommen jedes Jahr, um die Festlichkeiten hautnah zu erleben.
In Munderkingen wurde ein „Grempelesmarkt“ für den guten Zweck eröffnet, während in Lauchheim ein Taubenmarkt stattfand, auf dem Haustiere versteigert wurden. In Ettlingen waren rund 80 Gruppen für den Narrenumzug angekündigt. Stuttgart empfing Oberbürgermeister Frank Nopper Karnevalsvereine im Rathaus, auch wenn das Prinzenpaar nicht anwesend war. In Assamstadt wurden rund 30.000 Besucher und 1.000 Teilnehmende beim Rosenmontagsumzug erwartet. Ein besonders ergreifender Moment fand in Mannheim statt, wo eine Gedenkfeier für die Opfer der Amokfahrt am Rosenmontag 2025 abgehalten wurde.
Die Schwäbisch-alemannische Fastnacht ist nicht nur ein Fest, sondern ein lebendiger Ausdruck regionaler Identität und kulturellen Erbes. Sie zeigt, wie Traditionen über Jahrhunderte hinweg lebendig gehalten werden und sich an die Gegebenheiten der Zeit anpassen können. Die Wurzeln dieser Feierlichkeiten sind tief im kulturellen Gedächtnis der Region verankert, und das Wissen um die Brauchausübung wird von Generation zu Generation weitergegeben.
Mehr Informationen zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht finden Sie unter Tagesschau, Wikipedia und UNESCO.