In München beginnt ein richtungsweisender Prozess, der die Ereignisse des tragischen Zugunglücks bei Garmisch-Partenkirchen thematisiert. Am 3. Juni 2022 entgleiste der Regionalzug RB-D 59458 in einer Kurve bei Burgrain, was zu einem verheerenden Unglück führte, bei dem fünf Menschen starben, darunter vier Frauen und ein 13-jähriger Junge, und über 70 weitere Personen verletzt wurden. Der Prozess, der am 28. Oktober 2025 vor dem Landgericht München II eröffnet wurde, richtet sich gegen zwei Bahnmitarbeiter: einen Fahrdienstleiter und einen Bezirksleiter der Fahrbahn. Ihnen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen, wie stern.de berichtet.

Die Anklage entsteht aus gravierenden Mängeln an der Infrastruktur, die zu diesem folgenschweren Unglück führten. Ein Abschlussbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) identifizierte marode Betonschwellen als die Hauptursache des Unglücks. Diese waren aufgrund chemischer Reaktionen im Stahlbetonkern nicht tragfähig. Der Bezirksleiter der Fahrbahn gab zu, dass er der Problematik mehr Aufmerksamkeit hätte schenken müssen, war sich aber der Schwere der Schäden nicht bewusst. Ein Funkspruch des Triebwagenführers über Gleisunregelmäßigkeiten kam nicht an die richtige Stelle. Das war ein fatales Versäumnis, denn 28 Züge waren vor dem Unglück ohne Zwischenfälle über die gleiche Stelle gefahren, wie ZDF heute berichtet.

Die Stimmen der Betroffenen

Die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, Elisabeth Koch, beschrieb den Unglücksort als „gespenstisch“ und erinnerte sich an die hektischen Rettungsmaßnahmen, die kurz vor dem G7-Gipfel stattfanden. In einem internen Bericht der Bahn wurde das Verhalten des betrieblichen Personals als regelwidrig eingestuft, was die Verantwortung der Angeklagten weiter kompliziert. Ein dritter Mitarbeiter, gegen den ebenfalls ermittelt wurde, ist nun aus dem Verfahren entlassen, während der Fahrdienstleiter und der Bezirksleiter sich dem Gericht stellen müssen.

Nach dem Unglück hat die Deutsche Bahn über 1,7 Millionen Gleisschwellen ausgetauscht und die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Bürgermeisterin Koch hofft auf Verbesserungen der Warnsysteme und eine erhöhte Sensibilität für Sicherheitsfragen in der Region. Es wird angestrebt, in Zukunft solche Tragödien zu verhindern, vor allem nach weiteren Vorfällen wie dem Riedlinger Zugunglück im Juli 2025, bei dem drei Personen ums Leben kamen.

Inmitten dieser ernsten Themen erinnert der Fall an die fragilen Strukturen, die im alltäglichen Betrieb der Bahn oft übersehen werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Prozess nicht nur die Schuldigen zur Rechenschaft zieht, sondern auch eine grundlegende Veränderung der Sicherheitsmaßnahmen im Eisenbahnverkehr nach sich zieht, um künftige Unfälle zu vermeiden.