Am 10. Februar 2026 erlebten die 7. Klassen des Pestalozzi Gymnasiums in Biberach eine besondere Lektion, die im Rahmen des bundesweiten „Safer Internet Day“ stattfand. Die Schüler nahmen an der digitalen „Klicksafe Schulstunde“ teil, die sich dem Thema „KI and me. In künstlicher Beziehung.“ widmete. Zu diesem Anlass wurden auch die neuen schulischen Tablets eingeführt. Die Stunde bot den Schülern nicht nur Recherchehilfen, sondern auch die Möglichkeit, kritische Fragen zu den generativen KI-Bots zu stellen, die zunehmend in ihrem Alltag präsent sind.
Ein zentraler Punkt der Schulstunde war die Auseinandersetzung mit den sozialen Rollen, die KI-Bots einnehmen können. Diese Bots haben das Potenzial, emotionale Nähe zu erzeugen und parasoziale Beziehungen zu ihren Nutzern aufzubauen. Die Schüler wurden dazu angeregt, die Chancen dieser Technologie zu nutzen, gleichzeitig aber auch die Risiken wie emotionale Abhängigkeit und den unvorsichtigen Umgang mit privaten Daten zu erkennen. Das Ziel war eine kompetente Unterscheidung zwischen nützlichem digitalen Werkzeug und vorgetäuschter Freundschaft (Quelle).
Die Rolle von KI im Schulalltag
Im Kontext des „Safer Internet Day“ 2026, der besonders die Künstliche Intelligenz in den Fokus rückt, zeigt eine aktuelle JIM-Studie, dass 74% der 12- bis 19-Jährigen KI-Tools wie ChatGPT für Hausaufgaben oder beim Lernen nutzen. Dabei ist ChatGPT nach klassischen Suchmaschinen das am zweithäufigsten genutzte Mittel zur Recherche. 57% der Jugendlichen halten die von KI bereitgestellten Informationen für vertrauenswürdig, obwohl viele Schüler auch die Fehleranfälligkeit dieser Systeme erkennen. Die Medientrainerin Maja Sommer beobachtet, dass die Simulation von Vertrautheit durch Chatbots besonders auf Kinder wirkt, was in Verbindung mit der Suche nach Bestätigung bei den Jugendlichen steht (Quelle).
Die Diskussion über den Einfluss von KI auf den Alltag, die Kommunikation und die Beziehungen junger Menschen ist dringend notwendig. Martin Bregenzer von „klicksafe“ betont, dass dieses Thema gesellschaftlich noch nicht ausreichend behandelt wird. Eltern werden ermutigt, den Überblick über die KI-Nutzung ihrer Kinder zu behalten und deren soziale Kontakte im Blick zu haben. Tanjev Schultz von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz empfiehlt, die Vor- und Nachteile von KI gemeinsam zu erkunden, um ein besseres Verständnis für diese Technologien zu entwickeln.
Gesellschaftlicher Kontext und Risiken
Der Safer Internet Day, der seit über 20 Jahren in Deutschland von der EU-Initiative klicksafe koordiniert wird, hat die Aufgabe, Medienkompetenz zu fördern und den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Technologien zu stärken. Insbesondere die Verbreitung von Desinformation durch generative KI stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Grundordnung gefährden kann. Daher ist es unerlässlich, klare Regeln und Plattformverantwortung zu etablieren, um Jugendliche vor Risiken wie Cybermobbing und Cybergrooming zu schützen (Quelle).
Die „Klicksafe Schulstunde“ erfreut sich großer Beliebtheit und zieht jedes Jahr über 50.000 Jugendliche an. Mit über 1.000 Schulen, Vereinen und Bibliotheken, die sich an den Aktionen beteiligen, ist das Engagement für einen sicheren Umgang mit dem Internet und digitalen Technologien größer denn je. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zu einem bewussteren Umgang mit den neuen Technologien anregen.