Am 2. März 2026 besuchte Winfried Kretschmann, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, die Stadt Überlingen im Bodenseekreis, um im Vorfeld der Landtagswahl über esskulturelle Themen zu philosophieren. Der Besuch fand im Pflanzenhaus statt, wo die beeindruckende Kaktus-Sammlung der Stadt ausgestellt ist. Eingeladen wurde Kretschmann vom Kreisverband Bodenseekreis von Bündnis 90/Die Grünen. Während seines Auftritts hielt er keinen klassischen Wahlkampfreden, sondern einen tiefgründigen Vortrag, der an Überlegungen anknüpfte, die er bereits 1993 bei einem Grünen-Kongress im Europaparlament formuliert hatte.

Kretschmann betonte die zentrale Bedeutung der Esskultur und deren Verbindung zur Landbewirtschaftung sowie zur Schöpfung. Er unterstrich, dass es nicht egal sei, ob Lebensmittel billig oder teuer sind und welche Bedingungen bei der Tierhaltung herrschen. „Ernährung ist eine Beziehung zur Natur und Landwirtschaft“, so Kretschmann. Die Esskultur eines Volkes besitze eine universelle Bedeutung und sei eine gesellschaftliche Entscheidung. Der Überlinger Landtagsabgeordnete und Biobauer Martin Hahn ergänzte die Ausführungen Kretschmanns, indem er die Verbindung zwischen Agrarpolitik und den Grünen hervorhob und den ökologischen Anspruch der Partei in der Landwirtschaft thematisierte.

Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme

In der Diskussion über die Esskultur und Landwirtschaft lässt sich auch der größere Kontext der nachhaltigen Agrar- und Ernährungssysteme erkennen. Diese Systeme sind nicht nur Voraussetzung für gesunde Ernährung, sondern auch für den Schutz von Mensch, Tier, Ökosystemen und Klima. Die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht, sind vielfältig: Klimakrise, Artensterben, Bodenqualitätsverschlechterung und ein hoher Ressourcenverbrauch sind nur einige davon. Zudem können bewaffnete Konflikte, wie der Ukraine-Krieg, wirtschaftliche Schocks und die Folgen der Covid-19-Pandemie Risiken für die Agrarwirtschaft darstellen.

Die Transformation hin zu nachhaltigeren Agrarsystemen erfolgt im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UN, die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) umfasst. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) sowie der Koalitionsvertrag bilden den politischen Rahmen für Deutschland und dessen Beitrag zur Transformation. Im Jahr 2024 wird die DNS in einem öffentlichen Prozess weiterentwickelt, in dem auch junge Menschen aktiv mitwirken werden. Ein Jugendpolitisches Forum wird diskutieren, wie zukunftsfeste Agrar- und Ernährungssysteme aussehen könnten, und die Ergebnisse sollen in die Weiterentwicklung der DNS einfließen.

Globale Perspektiven und Herausforderungen

Die Landwirtschaft ist nicht nur ein zentrales Element der lokalen Wirtschaft, sondern auch der globalen. Weltweit werden Milliarden von Menschen mit Nahrung, Einkommen und Lebensunterhalt versorgt. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die 70 bis 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe betreiben, stehen oft vor großen Herausforderungen. Sie verdienen häufig zu wenig, um von ihrer Arbeit leben zu können, und die Preise für ihre Produkte werden oft außerhalb ihres Einflussbereichs verhandelt. Eine nachhaltige landwirtschaftliche Lieferkette umfasst alle Schritte vom Saatgut über Anbau, Verarbeitung bis hin zu Vertrieb und Konsum.

Um die Situation dieser Produzenten zu verbessern, benötigen sie unter anderem Zugang zu Marktinformationen, Finanzdienstleistungen sowie Wissen über nachhaltige Anbaupraktiken. Es ist entscheidend, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam daran arbeiten, die Bedingungen für diese Bäuerinnen und Bauern zu verbessern und die Agrarlieferketten nachhaltig zu gestalten. Positive Effekte können durch enge Kooperationen erzielt werden, die sowohl den Kleinproduzenten als auch den Unternehmen zugutekommen.

Insgesamt zeigt sich, dass die Themen Esskultur, nachhaltige Landwirtschaft und die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft heute steht, eng miteinander verknüpft sind. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln und die Förderung einer nachhaltigen Agrarpolitik sind entscheidend, um die globalen und lokalen Herausforderungen zu meistern. Kretschmanns Besuch in Überlingen war somit nicht nur ein Wahlkampfauftritt, sondern ein wertvoller Beitrag zur Diskussion über die Zukunft unserer Ernährung und Landwirtschaft.

Für weiterführende Informationen zur nachhaltigen Landwirtschaft und den Herausforderungen, denen sie gegenübersteht, besuchen Sie bitte die Quelle: BMZ.