In der Hochschule Rottenburg hat ein spannendes Projekt das Licht der Welt erblickt: eine neue Wasserstoffanlage, die dazu dient, überschüssige Solarenergie zu speichern. Diese innovative Anlage nutzt überschüssigen Strom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Der gewonnene Wasserstoff wird in Tanks gespeichert, wo er unbegrenzt lagern kann, ohne dabei Energie zu verlieren. Wenn der Bedarf besteht, wird der Wasserstoff in einer Brennstoffzelle zurückverwandelt, um Strom und Wärme zu erzeugen. Das Projekt, das den Namen „H2-Grid“ trägt, wird sowohl von der Landesregierung als auch von der Europäischen Union gefördert und zielt darauf ab, grünen Wasserstoff zu produzieren und eine unabhängige Energieversorgung für Unternehmen zu schaffen.

Professor Harald Thorwarth, einer der führenden Köpfe hinter diesem Projekt, weist darauf hin, dass Wasserstofftechnologie zwar vielversprechend ist, aber nicht die einzige Lösung für die Herausforderungen der Energiewende darstellen kann. Vielmehr sei ein „Werkzeugkoffer“ an verschiedenen Technologien erforderlich, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Svenja Ott, Mitkonzipiererin der Anlage, berichtet, dass der Weg von der Konzeption bis zur Fertigstellung der Anlage etwa dreieinhalb bis vier Jahre in Anspruch nahm. Unternehmen wie die August-Weckermann-KG könnten von der Wasserstoffanlage profitieren und ihre Energiekosten erheblich senken. Diese Firma hat sich bereits zu 90% von externen Energielieferanten unabhängig gemacht.

Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft

Die Diskussion um Wasserstofftechnologien findet vor dem Hintergrund einer globalen Herausforderung statt: Jährlich fallen Millionen Tonnen Abfälle an, darunter Bauschutt, Altholz und Elektronikschrott. Um Ressourcen zu schonen und Nachhaltigkeit zu fördern, wird ein Übergang von linearen zu zirkulären Verwertungssystemen notwendig. In der Kreislaufwirtschaft, die das Gegenteil der linearwirtschaftlichen Wegwerfkultur darstellt, werden Ressourcen, Abfallproduktion und Energieverschwendung minimiert. Wichtige Instrumente hierfür sind langlebige Konstruktionen, Wiederverwendung und Recycling. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Übergang aktiv zu gestalten und forscht an den erforderlichen Innovationen sowie an angepassten Wertschöpfungsnetzwerken, die für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft notwendig sind.

Wasserstoff als Schlüssel zur Energiewende

Wasserstofftechnologie ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Die Vorteile von Wasserstoff liegen in der einfachen Speicherung und dem Transport von Energie sowie in der flexiblen Energieversorgung. In Deutschland wird Wasserstoff in verschiedene „Farben“ eingeteilt, abhängig von der Herstellungsweise und der eingesetzten Energie. Grüner Wasserstoff, der aus erneuerbarem Strom wie Wind- und Sonnenenergie mittels Elektrolyse erzeugt wird, gilt als besonders nachhaltig. Diese Technologie wird auch als Power-to-Gas bezeichnet und ist ein wichtiger Schritt zur Sektorenkopplung.

Die verschiedenen Technologien zur Herstellung von grünem Wasserstoff umfassen unter anderem die alkalische Elektrolyse, die seit über einem Jahrhundert bekannt und kommerziell nutzbar ist, sowie die jüngere Proton-Exchange-Membran Elektrolyse, die großes Potenzial für technische Entwicklungen und Kosteneinsparungen bietet. Auch Anionenaustauschmembran-Elektrolyseure zeigen sich als vielversprechend für die massentaugliche Wasserstoffproduktion aus regenerativem Strom.

Insgesamt zeigt sich, dass die Hochschule Rottenburg mit ihrer neuen Wasserstoffanlage einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen und unabhängigen Energieversorgung macht, während parallele Entwicklungen in der Kreislaufwirtschaft und Wasserstofftechnologie den Weg in eine ressourcenschonende Zukunft ebnen.