In einem turbulenten Superwahljahr sieht sich die AfD mit internen Turbulenzen konfrontiert. Besonders in Sachsen-Anhalt kam es zu einer schmutzigen Schlammschlacht, die das Thema Vetternwirtschaft innerhalb der Partei aufdeckte. Dies betroffen auch den baden-württembergischen Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier, dessen familiäre Verbindungen zu Parteifreunden nun in der Öffentlichkeit diskutiert werden. So arbeitet seine Frau im Bundestagsbüro eines Parteikollegen und sein Vater ist für die Abgeordnete Diana Zimmer tätig, die Frohnmaiers Wahlkampf leitet. Um die Beziehungen zu stärken, hat Frohnmaier sogar während des Wahlkampfs die USA besucht, um dort neue Kontakte zu knüpfen.

Unterdessen sind auch interne Chats des AfD-Direktkandidaten Sebastian Ruth in den Fokus geraten. Laut Lomazoma zeigen diese eine erschreckende Nähe zu rechtsextremen Ansichten. Ruth, der in Freiburg kandidiert, leitete eine Chatgruppe auf Telegram mit rund 300 Mitgliedern, die sich auch auf TikTok vernetzten. In seinem Profil findet sich eine positive Erwähnung der Geste der „weißen Macht“ und er fordert die Rückwanderung von Muslimen. Trotz seiner Distanzierung von früheren Äußerungen bleibt er ideologisch in einer rechten Ecke und plant im Falle eines Wahlsiegs der AfD die Schaffung einer behördlichen Einheit für Abschiebungen ähnlich der Deutschen Bahn.

Rechtsextremismus und Verfassungsschutz

Die Einordnungen des Verfassungsschutzes sorgen für zusätzliches Aufsehen. Am 2. Mai 2025 stufte das Bundesamt die AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ ein, stützt sich dabei auf ein umfassendes Gutachten von über 1.000 Seiten, das jedoch gegenwärtig unter Verschluss gehalten wird. Der SPIEGEL veröffentlichte nun Teile der Zitate, die aus dem Gutachten stammen und die verfassungsfeindlichen Positionen der Partei dokumentieren. Die AfD klagt gegen diese Einstufung und hat in Köln einen Eilantrag eingereicht, um die rechtlichen Grundlagen zu prüfen.

Der Verfassungsschutz dokumentiert in seinem Bericht insbesondere menschenfeindliche Äußerungen, die sich gegen das Prinzip der Menschenwürde und die Demokratie richten. Der Soziologe Matthias Quent sieht Anzeichen für eine Radikalisierung an der Spitze der AfD, während die Partei selbst in ihrer eigenen Einschätzung eine politische Wende wittert. Wie Deutschlandfunk weiter berichtet, verfolgt die AfD die Stillhaltezusage des Verfassungsschutzes als politischen Erfolg.

Auf direktem Weg in die Zukunft?

Die kommenden Wahlen werden entscheidend dafür sein, wie es mit der AfD weitergeht. Ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Köln könnte sich über Jahre ziehen, während die öffentlichen und internen Konflikte innerhalb der Partei weiter vehement diskutiert werden. In welchem Licht sich die AfD am Ende präsentieren wird, bleibt abzuwarten. Bei all dem Geschichtsgewühl muss man sich fragen: Wo steht die Partei in der Wählerschaft und wie stark beeinflussen diese Skandale ihre Chancen?

Fest steht, dass die internen Kämpfe und die Überwachung durch den Verfassungsschutz der AfD ein raues Pflaster bereiten könnten. Wenigstens auf dem Wahlzettel hat die Partei die Möglichkeit, sich zu beweisen – ob das gelingt, werden die Wähler:innen entscheiden müssen.