Was geht in der Welt der Bahnen und Fledermäuse? Der Blick auf das Projekt der Hesse-Bahn zwischen Calw und Renningen bringt uns spannende, aber auch besorgniserregende Neuigkeiten: Die Kosten explodieren! Mittlerweile belaufen sich die Gesamtkosten auf stolze 207 Millionen Euro. Der Grund? Unter anderem die umfangreichen Artenschutzmaßnahmen, die hier berücksichtigt werden müssen.
Von den 207 Millionen Euro sind 80 Millionen Euro ausdrücklich für den Schutz der Bartfledermaus und ihrer Lebensräume vorgesehen. Diese kleine, aber feine Art zählt zu den bedeutendsten unter den 18 Fledermausarten, die in den Tunnelanlagen der Hesse-Bahn heimisch sind. Dabei gilt gerade dieser Tunnel als ein wichtiges Quartier für die Überwinterung und das Schwärmen der Fledermäuse in Süddeutschland. Im Jahr 2012 sah die ursprüngliche Kostenschätzung für das Projekt noch ganz anders aus: Damals war von 49 Millionen Euro die Rede, und die Fertigstellung war für 2018 angesetzt, was heute wie ein ferner Traum wirkt.
Artenschutz im Fokus
Wie sich die Umstände geändert haben! Der Baustart fand erst 2020 statt und soll nun bis Dezember 2025 abgeschlossen sein, gefolgt von dreiwöchigen Testfahrten, die im Januar 2026 beginnen. Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist die innovative Tunnel-in-Tunnel-Lösung, die den Fledermäusen während der Bauarbeiten Schutz bieten soll. Für diese spezielle Maßnahme wird von Kosten im niedrigen zweistelligen Millionenbereich ausgegangen, wobei die genauen Zahlen noch ausstehen.
Zusätzlich umfasst das Konzept Artenschutzmaßnahmen wie die Anlage neuer Biotope, die Sicherung von Streuobstwiesen sowie den Bau von so genannten Fledermaustürmen und Nistkästen. Auch eine Waldweide-Wirtschaft und Ersatzwinterquartiere werden in die Planung einbezogen. Die einzige Tunnelneubau-Maßnahme ist auf 16,5 Millionen Euro veranschlagt, auch hier wartet man noch auf die Abrechnung.
Finanzierung des Projekts
Finanziell sieht es für das Projekt durch eine Unterstützung des Landes recht gut aus: 75% der Kosten stammen aus einem Förderprogramm, 15% kommen als Planungskostenzuschuss dazu. Der Rest wird durch die Kommunen und den Landkreis Calw gedeckt. Spannend bleibt die künftige Entwicklung der Finanzierungspolitik des Landes, die nun anstrebt, bis zu 90% der Kosten für Elektrifizierung und Reaktivierung über ein Bundesförderprogramm zu stemmen.
Obwohl die Arbeit an der Strecke voranschreitet, bleibt festzuhalten, dass die Hesse-Bahn selbst bei der höchsten Priorität für den Umweltschutz nicht umhin kommt, die durch die fledermausfreundlichen Maßnahmen entstandenen Kosten zu tragen, die nach wie vor heiß diskutiert werden. Bleiben wir gespannt, wie sich das Projekt bis zur geplanten Inbetriebnahme Ende Januar 2026 entwickeln wird und ob die ersten Züge wirklich wie geplant bis Renningen fahren können.