Heute ist der 24.02.2026 und in Calw gibt es eine bewegende Geschichte, die zeigt, wie kreative Trauerbewältigung eine Familie zusammenbringen kann. In Bad Wildbad hat die Familie von Klaus Schmid, der vor rund drei Jahren an Krebs starb, einen ganz besonderen Weg gefunden, mit ihrem Verlust umzugehen. Sie haben einen Briefkasten auf seinem Grab installiert, in den sie regelmäßig Briefe einwerfen. Diese Briefe sind Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle, die sie an den Verstorbenen richten. Die Familie, bestehend aus Mutter Christina und den Kindern Ida (10), Ben (13) und sechsjährigen Zwillingen, bastelt die Briefe mit viel Liebe und Hingabe.
Christina Schmid hebt hervor, wie wichtig das Grab für die Familie als Ort der Verbindung ist. Sie treffen sich dort nicht nur zum Schreiben, sondern verbringen auch Zeit miteinander, essen die Lieblingskekse des Vaters und lassen Bier über das Grab fließen. Der Grabstein selbst ist ein gemeinschaftliches Kunstwerk, das einen Fingerabdruck des Vaters sowie einen von Ben gezeichneten Löwenkopf zeigt. Diese kreative Gestaltung ist nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein Teil ihrer Trauerbewältigung.
Kreative Trauerbewältigung im Trend
In der heutigen Zeit, wo die individuelle Gestaltung von Gräbern immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Schreiben von Briefen eine gängige Methode in der Trauerbegleitung. Trauerexpertin Chris Paul erklärt, dass kreative Trauerbewältigung und der Austausch von Gedanken an die Verstorbenen zunehmen. Der Briefkasten auf dem Grab von Klaus Schmid ist nicht nur ein Ort für Nachrichten an den Verstorbenen, sondern auch ein psycologisch wertvoller Halt für die Familie, wie Tim Busam, Mitgründer der Firma Allivestone, beschreibt. Er sieht den Briefkasten als einen Ort des Austauschs, an dem die Menschen ihre Sorgen und Wünsche teilen können.
Die Idee von Grabsteinen mit Briefschlitzen, die von Designstudenten in Freudenstadt entwickelt wurde, bringt diesen Gedanken weiter. Ab 2024 sollen diese Grabsteine auf Friedhöfen verfügbar sein. Inspiriert von einem Freund, der während der Corona-Pandemie beide Großeltern verlor, möchten die Gründer einen Friedhof als lebendigen Ort gestalten. Der hohle Grabstein mit einem Schlitz ermöglicht es, dass nicht nur Familienangehörige, sondern auch Freunde und Kollegen ihre Gedanken an die Verstorbenen auf kreative Weise ausdrücken können.
Der heilende Prozess der Trauer
Der Verlust eines geliebten Menschen führt oft zu intensiven Emotionen, und kreative Ausdrucksformen können helfen, diese Trauer zu verarbeiten. Das Duale Prozess-Modell der Trauerbewältigung betont den Wechsel zwischen der Konfrontation mit dem Verlust und der Hinwendung zu neuen Lebensaspekten. Kreative Tätigkeiten wie Malen, Schreiben oder Handwerken unterstützen diesen Prozess und tragen dazu bei, die Trauer greifbarer zu machen. Der Fokus liegt dabei nicht auf Perfektion, sondern auf dem heilenden Prozess des Schaffens.
Ob beim Erstellen von Collagen, dem Schreiben von Gedichten oder einfach beim Handwerken – die Möglichkeiten sind vielfältig. Handwerkliche Tätigkeiten können sogar eine meditative Wirkung haben und zur Entspannung beitragen. Es ist wichtig, sich von der Intuition leiten zu lassen und verschiedene Ausdrucksformen auszuprobieren, um den eigenen Trauerprozess zu gestalten.
Insgesamt zeigt die Familie Schmid, dass es keine falschen Fragen oder Wege in der Trauer gibt. Indem sie ihre Emotionen kreativ ausdrücken und mit dem Briefkasten auf dem Grab von Klaus Schmid eine Verbindung zu ihm aufrechterhalten, finden sie einen Weg, mit ihrem Verlust umzugehen und gleichzeitig den Platz der Erinnerung lebendig zu gestalten. Diese Art der Trauerbewältigung könnte ein Vorbild für viele andere Familien sein, die ähnliche Wege suchen.