Im Kreis Calw, nicht gerade als das Stammland der Grünen in Baden-Württemberg bekannt, fand ein bedeutendes Treffen der Grünen statt. Am Dienstagabend versammelte sich die grüne Polit-Prominenz in der Veranstaltungslocation Teufelwerk, um gemeinsam die Weichen für die kommende Landtagswahl zu stellen. Schwarzwälder Bote berichtet von einem Auftritt des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der der Hauptredner des Abends war. An seiner Seite stand Cem Özdemir, der als potenzieller Nachfolger Kretschmanns in die Wahlen gehen möchte.

Kretschmann, der in seinen drei Amtszeiten einen Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien von 18 auf 55 Prozent verbuchte und über eine Million neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze schuf, zog eine positive Bilanz seiner Regierungszeit und äußerte sich dazu, dass sie „ordentlich regiert“ hätten. Besonders betonte er die Notwendigkeit, den Klimawandel zu stoppen, um den Schwarzwald zu erhalten. Seinen Anzug von dem Nagolder Hersteller Digel hob er dabei ebenfalls hervor.

Der Weg zur Nachfolge

Nach der Ankündigung, dass Kretschmann bei der Landtagswahl im Frühjahr 2026 nicht erneut antreten würde, liegt nun der Fokus auf Cem Özdemir. Der Bundeslandwirtschaftsminister hat bereits seine Bereitschaft signalisiert, Kretschmann nachzufolgen, und gewinnt damit Unterstützung von seiner Partei. So bezeichnete Tagesspiegel Özdemir als „sehr guten Nachfolger“. Seine Beliebtheit über Parteigrenzen hinweg könnte ihm einen entscheidenden Vorteil verschaffen, auch wenn die CDU in Baden-Württemberg skeptisch auf diese Entwicklung reagiert hat.

Die Kritiker aus der CDU, unter ihnen Generalsekretärin Nina Warken, zeigen sich weniger begeistert von Özdemirs Ambitionen und setzen auf Kontinuität mit Kretschmann, während die Parteienlandschaft sich auf einen spannenden Wahlkampf vorbereitet. Manuel Hagel, der neue Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU, gilt als ernstzunehmender Herausforderer, während Umfragen zeigen, dass viele ihm höhere Siegchancen zusprechen als Özdemir.

Özdemirs Wahlkampfstrategie

Cem Özdemir hat sich bereits konkrete Strategien überlegt, um die Wähler zu erreichen. Laut Schwäbische wird ein „personenzentrierter“ Wahlkampf angestrebt, bei dem Özdemir im Mittelpunkt steht. Dafür sollen neue Wahlplakate mit klaren Slogans wie „Vertrauen“, „Klarer Kurs“, „Klima“ und „Bildung“ geschaltet werden. Er plant auch, die Errungenschaften der Grünen in den Vordergrund zu rücken und erkennt zugleich die Herausforderungen an, vor denen die Partei steht.

Özdemir, gebürtiger Schwabe, fühlt sich den Anliegen der Menschen in Baden-Württemberg verbunden und möchte solide Themen wie Infrastruktur, Finanzen und Gesundheit, die viele Bürger betreffen, in den Dialog bringen. Bei einer Bürgerdialog-Veranstaltung nach den Reden hatte er die Gelegenheit, direkt auf die Fragen der Menschen einzugehen, was bei vielen gut ankam.

In Anbetracht all dieser Entwicklungen bleibt abzuwarten, wie sich der Wahlkampf entwickeln wird und ob Cem Özdemir seine Position ausbauen kann. Mit einem klaren Fokus und der Unterstützung prominenter Grüner dürfte er sich in den kommenden Monaten einiges an Öffentlichkeit erarbeiten. Die Spannung steigt – nicht nur innerhalb der Grünen, sondern auch im ganzen Land.