In Heidelberg wird der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes ein kreativer Raum gegeben. Das Theater der Stadt Heidelberg hat ein inklusives Projekt auf die Beine gestellt, das sich intensiv mit den dunklen Kapiteln der Geschichte auseinandersetzt. Unter dem Titel „Ein Platz im Gedächtnis“ wird ein Theaterstück entwickelt, das die Themen Euthanasie, Medizinverbrechen und Zwangssterilisationen an Menschen mit Behinderungen thematisiert. Ab dem Jahr 1934 wurden im nationalsozialistischen Deutschland hunderttausende Menschen mit Behinderungen opfer des Unrechts, und auch aus Heidelberg und Umgebung haben viele diese grausame Zeit miterlebt. Genau dieser Erinnerung wird nun mit einer lebendigen Darbietung Rechnung getragen, berichtet theaterkompass.de.
Ein wichtiger Bestandteil dieses Projekts ist das inklusive Ensemble, das aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht. Die Idee ist es, gemeinsam einen Gedenkort zu schaffen, der nicht nur erinnert, sondern auch berührt und zum Nachdenken anregt. Im Rahmen dieses Projekts arbeiten unter anderem die Stadtdramaturgin Jana Gmelin sowie Franziska Kühnle, Theaterpädagogin am Jungen Theater, und Leon Wieferich, ehemaliges Ensemblemitglied, mit. Die Förderung erfolgt durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms „Impulse Inklusion“. Die Aufführungen finden in den barrierefreien Räumlichkeiten des Interkulturellen Zentrums Heidelberg statt und sind am 6., 7. und 8. Dezember 2025 geplant.
Ein Rahmenprogramm für alle
Um sicherzustellen, dass das Stück für alle zugänglich ist, werden die Aufführungen in Deutsche Gebärdensprache übersetzt und es wird Audiodeskription angeboten. Dies ermöglicht auch mobilitätseingeschränkten Menschen, aktiv am Geschehen teilzunehmen. Die Premiere findet am 6. Dezember um 19 Uhr statt, ganz im Zeichen eines inklusiven Miteinanders, wo jeder willkommen geheißen wird. Weitere Aufführungen sind am 7. Dezember um 17 Uhr und am 8. Dezember um 19 Uhr angesetzt.
Ein Projektbeirat, bestehend aus Fachleuten und Vertretern von Menschen mit Behinderungen, begleitet den Prozess. Zu den Bildungsmaßnahmen gehört eine Exkursion zur Gedenkstätte Grafeneck, die an die Ermordung von Menschen mit Behinderungen während des Nationalsozialismus erinnert. Dies geschieht im Sinne des Gedächtnisses, denn laut heidelberg.de waren mehrere Hundert Bürger aus Heidelberg Opfer der Euthanasie.
Ein Projekt mit Zukunft
Die Entwicklung des Theaterprojektes hat ihre Wurzeln bereits im Jahr 2018, als das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden sollte. Auch wenn ein ursprünglich für 2020 geplantes Gastspiel des Stücks „Rosa B. beinah vergessen“ wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte, zeigen die beteiligten Institutionen mit der Zusammenarbeit, wie wichtig Gedenken und Erinnerung sind. Ziel ist es, den Platz im Gedächtnis dauerhaft zu verankern, etwa durch Informationstafeln an relevanten Orten, die regelmäßig an diese dunkle Geschichte erinnern.
Für Interessierte gibt es noch Karten unter www.theaterheidelberg.de oder direkt an der Theaterkasse. Es ist eine wichtige Gelegenheit, nicht nur zu erleben, sondern auch aktiv an einer Kultur des Gedenkens und der Inklusion teilzuhaben.