In den letzten Jahren hat die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Corona-Pandemie fungierte dabei als Katalysator, der bereits bestehende Probleme verstärkte. Eine alarmierende Entwicklung zeigt die COPSY-Studie, die von Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt wurde. Sie belegt, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mittlerweile schlechter ist als vor der Pandemie. Etwa 5% mehr Kinder und Jugendliche berichten von einer schlechteren psychischen Verfassung, und 21% haben anhaltende Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Diese Werte sind besorgniserregend und erfordern dringende Maßnahmen.
Professor Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, weist darauf hin, dass die digitale Welt oft unrealistische Darstellungen von Leben und Erfolg vermittelt, was zusätzlichen Druck auf junge Menschen ausübt. In diesem Zusammenhang startet das Universitätsklinikum Ulm gemeinsam mit dem FCH das Projekt „Heldinnen-Geschichten“. Dieses Projekt soll Jugendlichen durch echte Lebensbiografien und Herausforderungen Vorbilder bieten und somit ihre mentale Gesundheit stärken. Es wird unterstützt von SOS-Kinderdörfer weltweit und umfasst auch „Helden“ aus verschiedenen Bereichen, wie Feuerwehr und Sport.
Psychische Belastungen und deren Ursachen
Laut der COPSY-Studie berichten 22% der befragten Jugendlichen von psychischen Auffälligkeiten, und 23% haben Angstsymptome. Diese Werte sind deutlich höher als vor der Pandemie. Sorgen über globale Krisen, wie Kriege und wirtschaftliche Unsicherheiten, belasten die junge Generation zusätzlich. Im Herbst 2024 gaben 72% der Befragten an, sich um Kriege und Terrorismus zu sorgen, während 62% sich wegen wirtschaftlicher Unsicherheit und 57% wegen der Klimakrise Sorgen machen. Im Vergleich dazu waren es vor der Pandemie nur 14%, die sich einsam fühlten. Diese Besorgnis spiegelt sich auch in den sozialen Medien wider, wo 32% der Kinder und Jugendlichen regelmäßig mit belastenden Inhalten konfrontiert werden.
Die Lebensqualität hat sich zwar in den Jahren 2022 und 2023 verbessert, stagnierte jedoch im Herbst 2024, was bedeutet, dass 21% der jungen Menschen weiterhin unter geminderter Lebensqualität leiden. Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit von Präventions- und Unterstützungsprogrammen, um den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden. Fegert betont, wie wichtig es ist, mit Jugendlichen über ihre Probleme zu sprechen und ihnen zu zeigen, dass diese normal sind.
Die Rolle der sozialen Unterstützung
Ein bedeutsamer Faktor für die psychische Gesundheit ist die soziale Unterstützung. Kinder mit starken sozialen und familiären Ressourcen haben eine bessere psychische Gesundheit. Im Gegensatz dazu sind Kinder aus benachteiligten Verhältnissen besonders gefährdet. Die COPSY-Studie zeigt, dass fast ein Viertel der Befragten sich durch die Nutzung sozialer Medien negativ beeinflusst fühlt. Zudem erhöht jede Stunde Medienkonsum das Risiko für geringe Lebensqualität oder psychische Auffälligkeiten um bis zu 15-fach. Dies sollte Eltern und Fachleute alarmieren.
Die Ergebnisse der COPSY-Studie sind nicht nur Zahlen, sondern ein eindringlicher Aufruf zur Handlung. Es gibt Versorgungsengpässe bei Behandlung und Therapie, und die Studienautoren fordern eine nationale Strategie zur Prävention sowie mehr Finanzierung für Forschung. Das Projekt „Heldinnen-Geschichten“ ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen zu lenken, mit denen Kinder und Jugendliche heute konfrontiert sind.
Die Notwendigkeit, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu fördern und zu schützen, kann nicht genug betont werden. Es liegt in der Verantwortung der Gesellschaft, sie auf diesem Weg zu unterstützen.