In Deutschland bahnt sich eine grundlegende Wende im Umgang mit Rasenfahrern an. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) fordert drastische Maßnahmen, um das gefährliche Verhalten notorischer Temposünder zu ahnden. In einer aktuellen Stellungnahme betont er die Notwendigkeit eines lebenslangen Führerscheinentzugs für unbelehrbare Raser. „Wir müssen härter durchgreifen“, so Strobl in Stuttgart, wo er sich auch mit anderen Verkehrssicherheitsexperten austauschte.
Ein prägender Fall, der diese Debatte angeheizt hat, betrifft zwei Brüder, die wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes vor dem Stuttgarter Landgericht stehen. Ihnen wird vorgeworfen, bei einem illegalen Autorennen in Ludwigsburg einen tödlichen Unfall verursacht zu haben, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren. Auffällig ist dabei, dass beide Brüder trotz ihrer langen Liste an Verkehrsverstößen immer wieder ihre Führerscheine zurückbekamen. Der ältere Bruder weist 113, der jüngere Bruder 67 Einträge in ihrer Fahrerlaubnisakte auf. Besonders brisant: Der ältere Bruder hatte seinen Führerschein erst zwei Monate vor dem tödlichen Rennen erhalten, wie Welt berichtet.
Die Gefahren illegaler Rennen
Strobl äußert sich besorgt über die Gefährlichkeit solcher Verkehrsdelikte. „Erschreckend ist, dass Wiederholungstäter nach ihren Verstößen immer wieder einen neuen Führerschein erhalten“, kritisiert er. Der Innenminister fordert daher konkrete Vorgaben im Fahrerlaubnisrecht, um diese Tendenz zu stoppen. Unterstützung erhält er von seinem Kollegen, dem Landesverkehrsminister Winfried Hermann, der ebenfalls auf höhere Strafen und längere Entzüge der Fahrerlaubnis drängt.
Der Fall der beiden Brüder ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen durch illegales Rasen, wie die Tragödie in Heilbronn zeigt, bei der ein Mann aufgrund überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über seinen Sportwagen verlor und tödlich verunglückte. Der Fahrer wurde wegen Mordes verurteilt und soll im November 2023 in die Türkei abgeschoben werden. Solche Vorfälle machen deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Reformen im Bußgeldkatalog
Die Diskussion um die Sicherheit im Straßenverkehr wird auch durch die Reformen im Bußgeldkatalog befeuert, die ab 2026 in Kraft treten sollen. Dabei wird zwischen verschiedenen Arten von Verkehrsverstößen unterschieden.
- Verstöße ohne Sicherheitsgefährdung: Verwarnungsgelder, keine Einträge im Fahreignungsregister.
- Schwere Verstöße mit Sicherheitsgefährdung: 1 Punkt im Fahrerlaubnisregister, Fahrverbot ab zwei Verstößen innerhalb von 12 Monaten.
- Sehr schwere Verstöße: 2 Punkte und ein Fahrverbot von 1 bis 3 Monaten; die Verjährung beträgt 5 Jahre.
- Straftaten: Garantiert 3 Punkte, die nach 10 Jahren verjähren.
Der Bußgeldkatalog soll auch für Fahranfänger strenger gestaltet werden. Diese laufen Gefahr, ihre Probezeit durch Verstöße zu verlängern und müssen bei Vergehen mit Aufbauseminaren rechnen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bieten gesetzlichen Anreiz, sich an die Verkehrsregeln zu halten, doch bleibt die Frage: Sind die bestehenden Maßnahmen bereits ausreichend?
Mit dem Vorstoß von Strobl und Hermann wird deutlich, dass die Verantwortlichen in der Politik eine klare Botschaft senden wollen: Wer gefährdet das Leben anderer und zeigt keine Einsicht, darf nicht mit Nachsicht rechnen. Ein lebenslanges Fahrverbot für Raser könnte hier ein wichtiges Signal setzen. Das Ziel ist klar: Den Straßenverkehr sicherer machen und Menschenleben schützen.