In der Wohnmobilbranche gibt es derzeit bedenkliche Nachrichten. Das traditionsreiche Unternehmen HRZ Reisemobile aus Bretzfeld hat Insolvenz angemeldet. Das Ganze geschieht trotz einer vermeintlich stabilen Auftragslage, wie merkur.de berichtet. Rund 30 Mitarbeiter sind von dieser Entwicklung betroffen, während ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde. Die Probleme des Unternehmens sind auf massive Verzögerungen in der Fertigung zurückzuführen, die dazu führten, dass Kunden teilweise bis zu vier Jahre auf ihre bestellten Reisemobile warten mussten.
Einige Kunden haben daraufhin ihre Aufträge storniert und die Rückzahlung ihrer Anzahlungen gefordert, was letztlich zur Insolvenz geführt hat. Ein glatter Fall, der die angespannte Situation in der gesamten Branche widerspiegelt.
Hintergründe zur Insolvenz
HRZ hat sich seit 1972 einen Namen gemacht, insbesondere im hochwertigen Umbau von Reisemobilen auf Basis des Mercedes Sprinters. Die Umzüge des Unternehmens – erst von Pfedelbach nach Öhringen und schließlich 2018 nach Bretzfeld – zeugen von einer langen Geschichte. Doch selbst gute Unternehmen sind vor Krisen nicht gewappnet. Die Probleme in Bretzfeld sind nicht isoliert: In der Caravanbranche zeigt sich ein Ende des Booms. Laut rnd.de sind bis Ende Oktober 2023 in Deutschland über 87.600 Reisemobile und Wohnwagen neu zugelassen worden, was einen Anstieg von über 7 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Doch dieser Zuwachs wird von vielen Problemen begleitet, die die Branche belasten.
Die Politik bekam es 2020 mit einer starken Nachfrage zu tun, die jedoch durch Lieferengpässe und starke Preisanstiege beeinträchtigt wurde. Einige namhafte Hersteller sehen sich mittlerweile in einerart Schieflage, dass Insolvenz angemeldet werden musste. SWR.de berichtet, dass die Mitarbeiter und der Insolvenzverwalter dennoch optimistisch sind. Das Team hofft auf eine Sanierung in Form eines Investors, um das Unternehmen nach der Befreiung von finanziellen Altlasten neu aufzustellen.
Eine Krise, die viele trifft
Knaus Tabbert, ein weiterer Player auf dem Markt, hat zu kämpfen, nachdem der Börsenwert drastisch gefallen ist und sogar Korruptionsermittlungen gegen Unternehmensvorstände laufen. Die Stimmung innerhalb der Branche ist angespannt. Viele Händler haben in der letzten Zeit Insolvenz anmelden müssen und Käufer sind besorgt über ihre Anzahlungen. Der Caravaning Industrie Verband (CIVD) hatte bis vor kurzem noch ein Wachstum in der Branche prognostiziert. Jetzt gilt es, abzuarbeiten, wo solche positiven Aussichten in der Realität nicht mehr bestehen.
Die nächsten Schritte für HRZ Reisemobile sind also nicht nur entscheidend für die betroffenen Beschäftigten, sondern wahlweise auch für die gesamte Branche, die sich nach der aktuellen Welle von Insolvenzen rasch stabilisieren muss.