In der Welt der Reisemobile kommt es zu unerwarteten Wendungen: Die HRZ Reisemobile GmbH aus Bretzfeld hat Insolvenz angemeldet. Trotz einer guten Auftragslage ist das Unternehmen im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg in eine finanzielle Schieflage geraten. Massive Verzögerungen in der Fertigung führten dazu, dass Kunden bis zu vier Jahre auf ihre bestellten Reisemobile warten mussten und einige deshalb ihre Anzahlungen zurückforderten. Dies hat zur Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens geführt, wie merkur.de berichtet.

Die Zahlen sprechen für sich: Rund 30 Beschäftigte sind vom Insolvenzverfahren betroffen, ihre Löhne und Gehälter sind jedoch durch Insolvenzgeld abgesichert. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter wurde bereits eingesetzt, um die laufenden Vollstreckungen zu stoppen. Die Auftragslage des Unternehmens bleibt trotz dieser Schwierigkeiten gut, jedoch ist unklar, ob die bestehenden Aufträge noch ausgeführt werden können. Das Team des Insolvenzverwalters zeigt sich optimistisch, dass das Unternehmen nach einer Befreiung von finanziellen Altlasten eine zweite Chance erhalten kann, sodass HRZ möglicherweise nicht das letzte Wort in seiner Geschichte gesprochen hat, wie swr.de berichtet.

Hintergründe der Insolvenz

HRZ ist seit seiner Gründung im Jahr 1972 bekannt für hochwertige, individuelle Umbauten von Reisemobilen, insbesondere auf Basis des Mercedes Sprinters. Das Unternehmen hat sich sowohl auf den privaten als auch auf den gewerblichen Markt spezialisiert und konstruiert unter anderem Modelle für Menschen mit Behinderungen. Doch der Tod eines Hauptanteilseigners im März 2025, gefolgt von einer alleinigen Geschäftsführung durch einen Teilhaber, hat zusätzliche Herausforderungen mit sich gebracht, die die finanzielle Stabilität des Unternehmens weiter erschüttern.

Die Situation ist nicht einzigartig: Die Caravaning-Industrie steht insgesamt unter Druck. Nach einem Boom in den Corona-Jahren kehren Hersteller und Händler nun in die Realität zurück. Bei einer stabilen Nachfrage bleibt der Markt dennoch angespannt. Neuzulassungen sank im ersten Quartal 2025 um 14,7 Prozent für Reisemobile, was die gesamte Branche vor große Herausforderungen stellt, wie promobil.de berichtet.

Blick in die Zukunft

Die Beschäftigten von HRZ und der vorläufige Insolvenzverwalter sind zuversichtlich, dass das Unternehmen die Krise überstehen kann. Derzeit wird aktiv nach einem Investor gesucht, der dem traditionell gewachsenen Unternehmen eine Perspektive geben könnte. Ein schneller und tragfähiger Lösung wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die aktuellen Marktbedingungen sind sowohl Fluch als auch Segen: Viele Händler sind gezwungen, großzügige Rabatte anzubieten, was für Käufer attraktive Angebote schafft, während gleichzeitig der Druck auf die Hersteller wächst, hohe Bestände an unverkauften Fahrzeugen zu bewältigen. Ob HRZ es schaffen wird, aus dieser prekären Situation herauszukommen, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die Branche wird versuchen, trotz ihrer Herausforderungen kreativ und innovativ zu bleiben.