In Karlsruhe hat sich 2020 ein Unternehmen gegründet, das die Weichen für die Zukunft des Maschinenbaus stellt: Daedalus. Ursprünglich als Start-up gestartet, ist das Unternehmen mittlerweile zu einem schnell wachsenden Industrieunternehmen im Bereich der Digitalisierung avanciert. Das Firmengelände befindet sich in einer Fertigungshalle auf dem ehemaligen Siemens-Gelände, wo auf großzügigen 4.000 Quadratmetern Präzisionsbauteile für die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie, Medizintechnik sowie Maschinenbauunternehmen in Deutschland produziert werden. Aktuell beschäftigt Daedalus 150 Mitarbeiter aus 30 Ländern und plant eine weitere Expansion.

Die Gründer Jonas Schneider und Martin Lander, beide Absolventen des KIT in Karlsruhe, haben eine klare Mission: Die Revolutionierung des Maschinenbaus. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) steuert Daedalus sämtliche Prozesse und Fertigungsschritte. Das KI-gesteuerte System optimiert die Produktion, indem es die Verfügbarkeit der Mitarbeiter und den Bedarf an Maschinen in Echtzeit erfasst. Aufträge und Anweisungen werden direkt über Smartwatches an die Mitarbeiter übermittelt, während Mini-Roboter Bauteile transportieren und Werkzeugschränke automatisch öffnen. Diese Innovationen senken die Fehlerquote und optimieren die Produktionsprozesse, was Daedalus als Möglichkeit sieht, Arbeitsplätze zu schaffen, nicht zu ersetzen.

Fachkräftemangel im Maschinenbau

Der traditionelle Maschinenbau sieht sich gegenwärtig mit einem gravierenden Fachkräftemangel konfrontiert. Viele erfahrene Mitarbeiter gehen in den Ruhestand, und es fehlt an Nachwuchs. Daedalus plant, bis 2027 die Produktionsfläche zu verdoppeln und Fachkräfte selbst auszubilden. Dies ist besonders wichtig, da in Deutschland schätzungsweise rund 250.000 Fachkräfte im Handwerk fehlen, was sich auch auf angrenzende Branchen auswirkt. Künstliche Intelligenz könnte hier eine Schlüsselrolle spielen, um diese Lücke zu schließen.

In verschiedenen Handwerksbetrieben wird KI bereits eingesetzt, um Büroarbeiten zu erleichtern und die Kundenkommunikation zu verbessern. Beispielsweise nutzt Mario Schunk, ein Heizungsbauer, KI zur Erstellung von Angeboten und zur Unterstützung der Büroarbeit. Er berichtet, dass ein gut aufgestelltes Team mit KI das Zehnfache an Arbeit leisten kann. Solche Entwicklungen könnten auch für die Maschinenbauindustrie von Bedeutung sein, um die Effizienz zu steigern und mehr Arbeitsplätze zu schaffen, während gleichzeitig der Fachkräftemangel bekämpft wird.

Die Rolle von KI in der Zukunft

Die Einführung von Künstlicher Intelligenz wirft jedoch auch Fragen auf. Während viele die positiven Aspekte betonen, wie die Optimierung von Produktionsprozessen, warnen andere vor den Risiken des Wissensverlusts und der Abhängigkeit von Technologie. Karen Joisten, Professorin für Ethik, fordert eine sorgfältige Abwägung des KI-Einsatzes und eine breitere gesellschaftliche Debatte. Die Gewerkschaft IG Metall sieht KI als Chance, betont jedoch die Notwendigkeit von Schulungen für Beschäftigte, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.

Insgesamt zeigt sich, dass der technologische Fortschritt seit jeher Bedenken über Arbeitslosigkeit hervorruft. Historisch betrachtet haben technologische Entwicklungen jedoch oft zu neuen Berufen und einem Anstieg der Lebensstandards geführt. Die Frage bleibt, ob die Auswirkungen von KI anders sein werden als bei früheren Technologien. In Deutschland, wo etwa ein Drittel der Mitarbeiter in den nächsten zehn Jahren in Rente geht, wird der Einsatz von KI als notwendige Maßnahme betrachtet, um den Fachkräftemangel zu adressieren und die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Um Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden, sollte Deutschland mehr in KI investieren und die Anpassungsfähigkeit des Arbeitsmarktes stärken.

In diesem Kontext ist das Beispiel von Daedalus besonders aufschlussreich. Das Unternehmen ist nicht nur ein Vorreiter in der Nutzung von KI, sondern zeigt auch, wie durch innovative Ansätze und eine klare Vision die Herausforderungen des modernen Maschinenbaus angegangen werden können. Ob und wie sich diese Entwicklungen auf die gesamte Branche auswirken werden, bleibt spannend zu beobachten.

Quellen:
SWR, Tagesschau, bpb.