In Karlsruhe sorgt eine mutige Aktion von Aktivisten derzeit für Aufsehen. Am Mittwochmorgen ketteten sich zwei Mitglieder des „Widerstands-Kollektivs“ mit einem Fahrrad an das Hochseil des fliegenden Weihnachtsmanns auf dem Marktplatz. Sie demonstrieren auf unkonventionelle Weise gegen geplante Kürzungen im Bereich Kultur und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der Stadt, wie das SWR berichtet. Die Polizei reagierte schnell und sperrte den Marktplatz, um die Aktion zu unterbrechen.

Die Aktivisten hatten ein auffälliges Banner vorbereitet. Auf einem 20 Quadratmeter großen Transparent war „Kultur und ÖPNV am seidenen Faden“ zu lesen, das den Eindruck vermitteln sollte, dass diese essenziellen Bereiche nur an einem schmalen Faden hängen. Diese kreative Protestaktion war ursprünglich für den Samstag, den 15. November geplant, jedoch wurde sie nun am Mittwoch verwirklicht, nachdem die Stadt massive Einschnitte im Haushalt angekündigt hatte. Die betroffenen Bereiche umfassen nicht nur die Kulturförderung, sondern auch die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs, was die Bürger beunruhigt. Das ka-news berichtet, dass die genauen Details der geplanten Kürzungen noch unklar sind, was zu weiteren Unsicherheiten führt.

Hintergrund der Protestaktion

Die Protestaktion ist nicht völlig neu, denn die Gruppierung hat sich schon einmal in den Schlagzeilen wiedergefunden. Zu Jahresbeginn sorgten sie für Aufregung, als sie Platanen vor dem Staatstheater fällten, um auf die Umwelt- und Klimapolitik aufmerksam zu machen. Die aktuelle Aktion ist allerdings mehr ein Schrei nach Hilfe für die Kultur und den öffentlichen Verkehr, denn in den letzten Jahren haben die öffentlichen Ausgaben für diese Bereiche in Deutschland stark zugenommen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gaben Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2020 insgesamt 14,5 Milliarden Euro für Kultur aus, eine Steigerung um 55 Prozent seit 2010, was zeigt, dass das Thema Kultur eine hohe gesellschaftliche Relevanz hat.

Die städtischen Kürzungen stellen nicht nur die Existenz dieser Förderungen in Frage, sondern trafen auch in einer Zeit, in der viele Menschen auf kulturelle Veranstaltungen und einen zuverlässigen ÖPNV angewiesen sind, um sich in ihrer Stadt zu bewegen. Gerade in Zeiten von Rückgängen bei den Besucherzahlen in Kinos, Museen und Theatern ist eine Diskussion um die Finanzierung des Kulturbereichs äußerst wichtig. Die Corona-Pandemie hat zu einem signifikanten Rückgang der Besucherzahlen geführt, was die Notwendigkeit, diese Bereiche zu unterstützen, noch dringlicher macht.

Wie sich die vermeintlichen Einschnitte in der nächsten Zeit konkret auswirken werden, bleibt abzuwarten. Die Bürger von Karlsruhe sind gespannt, wie sich das politische Klima entwickeln wird und ob ein Umdenken in der Stadt stattfindet. Die laufenden Protestaktionen werden sicherlich die Diskussion weiter antreiben und in die Öffentlichkeit bringen.