In den kommenden Jahren wird sich die Landschaft der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland erheblich verändern. Viele niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte stehen kurz vor dem Ruhestand, und besonders in ländlichen Regionen ist der Nachwuchs rar. Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben das Städtische Klinikum Karlsruhe und niedergelassene Pädiaterinnen und Pädiater eine zukunftsweisende Initiative ins Leben gerufen. Ab 2024 wird ein Verbund zur Weiterbildung von Assistenzärztinnen und -ärzten gestartet, der von Bruchsal bis Gaggenau und von Kandel bis Pforzheim reicht. Ziel ist es, den ärztlichen Nachwuchs durch praktische Einblicke in den Alltag der Kinderarztpraxen zu unterstützen und ihn optimal auf die Herausforderungen in der ambulanten Pädiatrie vorzubereiten (Klinikum Karlsruhe).

Die fünfjährige Verbundweiterbildung ermöglicht es Assistenzärztinnen und -ärzten, zwischen 6 und 12 Monaten in einer Praxis zu arbeiten. Dies wird von Prof. Dr. Sascha Meyer als entscheidend angesehen, um das gesamte Spektrum der Pädiatrie abzudecken. Dr. Paul Vöhringer hebt hervor, dass die Ausbildung nicht nur auf den ambulanten Sektor abzielt, sondern auch die Krankenhausmedizin berücksichtigt. Bislang haben bereits sechs angehende Fachärztinnen und Fachärzte ihre Praxiszeit absolviert, und drei weitere Einsätze sind geplant. Die Rückmeldungen von allen Beteiligten sind durchweg positiv, was die Zusammenarbeit zwischen Klinikum und Praxen betrifft. Xenia Frank, eine der ersten Assistenzärztinnen, berichtet von ihren positiven Erfahrungen in der Praxis.

Die Notwendigkeit qualifizierter Fachkräfte

Die Initiative in Karlsruhe ist Teil eines größeren Trends in Deutschland, der die Notwendigkeit qualifizierter Ärztinnen und Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin betont. Diese ist entscheidend für die Sicherstellung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Die Einführung einer neuen Approbationsordnung wird das Medizinstudium verändern und zielt darauf ab, Handlungskompetenz neben dem reinen Wissen zu vermitteln. Dies wird durch neue Weiterbildungsordnungen der Ärztekammern unterstützt, die eine kompetenzbasierte Weiterbildung fordern (DGAAP).

Ergänzend zu den bereits bestehenden Weiterbildungsangeboten sind zahlreiche Initiativen und Programme für kompetenzbasierte Aus- und Weiterbildung in der klinischen und grundversorgenden Pädiatrie entstanden. Diese umfassen unter anderem pädiatrische Seminarprogramme und Mentoring, um den angehenden Fachkräften wertvolle Unterstützung zu bieten.

Ein Blick über die Grenzen

Die Entwicklungen in Karlsruhe sind nicht isoliert zu betrachten. Ähnliche Bemühungen finden auch in anderen Regionen Deutschlands statt. So gibt es beispielsweise das Praxisnetz Pädiatrie Nordwest in Niedersachsen, das einen Verbund von niedergelassenen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten bildet. Diese Initiative legt den Fokus auf die ambulante Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen und fördert die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Kinderkliniken. Ziel ist es, die Attraktivität der Weiterbildung im Fachgebiet Pädiatrie zu erhöhen und die langfristige Sicherung der ambulanten pädiatrischen Versorgung zu gewährleisten (Pädiatrie Nordwest).

Insgesamt ist die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und niedergelassenen Praxen ein vielversprechender Ansatz, um den Herausforderungen der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland zu begegnen. Die Initiativen zur Weiterbildung und Vernetzung tragen dazu bei, dass die zukünftige Generation von Fachkräften optimal auf ihre Aufgaben vorbereitet wird.