In den letzten Tagen hat der geplante Wegfall der Mietpreisbremse ab dem kommenden Jahr die Gemüter in Baden-Württemberg erhitzt. Bereits jetzt sind Proteste von Mieterschutzorganisationen und der SPD zu vernehmen. Andreas Stoch, der Vorsitzende der SPD in Baden-Württemberg, hat in Singen die wohnungspolitischen Pläne seiner Partei vorgestellt und dabei die Notwendigkeit der Mietpreisbremse betont. So berichtete Südkurier, dass die Mietpreisbremse vor allem in Städten wie Konstanz und Singen unerlässlich ist, um den angespannten Wohnungsmarkt zu stabilisieren.
Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist in Baden-Württemberg mit 11 Millionen Einwohnern besonders drängend. Aktuell fehlen 192.000 Wohnungen, und die steigenden Mieten machen vielen Bürger:innen das Leben schwer. Experten wie Winfried Kropp vom Mieterbund und Wolfgang Heintschel von der Caritas warnen vor den negativen Folgen eines Wegfalls der Mietpreisbremse. Höhere Mieten und ein Verdrängungswettbewerb seien nur einige der Sorgen, die sie äußern. Darüber hinaus beschreibt Heintschel die Wohnungsnot als ernstzunehmendes Hindernis für Integration und als Verstärker von Armut. Dies verdeutlicht, wie wichtig der soziale Wohnungsbau in der Region ist.
Aktuelle Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt
Stoch und seine Mitstreiter haben auch die ineffektive Landesförderung kritisiert. Während der Bund auf jeden Euro im sozialen Wohnungsbau 35 Cent beisteuert, bleibt die Unterstützung der Landesregierung auf der Strecke. Dies könnte sich in naher Zukunft ändern, denn die SPD plant, mehr Mittel in die Landesförderung zu investieren und die Gründung einer Landeswohnungsbaugesellschaft auf den Weg zu bringen.
Eine weitere Herausforderung ist die steigende Anzahl an Leerständen. In Singen beispielsweise stehen derzeit 800 Wohnungen leer, und die Hälfte davon seit mehr als einem Jahr. Stoch fordert ein aktives Leerstandsmanagement von den zuständigen Ministerien und den Kommunen, um diesen Missstand zu beheben.
Die Rolle der Mietpreisbremse
Die Mietpreisbremse, die ursprünglich 2015 eingeführt wurde, soll in Städten mit angespannten Wohnungsmärkten eine Regulierung der Mieten ermöglichen. Laut mlw.baden-wuerttemberg.de darf die Miete zu Beginn des Mietverhältnisses höchstens 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Allerdings sind Neubauten und umfassend modernisierte Wohnungen davon ausgenommen. Aktuell gilt die Mietpreisbremse in 89 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg, was etwa 36% der Bevölkerung repräsentiert. Neuere Erhebungen könnten diese Gebietsstruktur jedoch verändern, wie ein kürzlich erstelltes Gutachten zeigt, das bis Ende 2029 Gültigkeit haben soll.
Dennoch gibt es Berichte, die darauf hindeuten, dass viele Wohnungsmieter nicht über ihre Rechte im Rahmen der Mietpreisbremse informiert sind. Eine Studie der TU München zeigt, dass nur 2,4% der Mieter, die berechtigt wären, sich zu beschweren, tatsächlich aktiv werden. Darüber hinaus haben rund drei Viertel der Mieter Angst, rechtliche Schritte einzuleiten, aus Furcht vor negativen Konsequenzen für ihr Mietverhältnis. Dies ist ein zentrales Problem, das von der Politik dringend angegangen werden muss.
Ob die geplanten politischen Maßnahmen tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation führen, bleibt abzuwarten. Die SPD und ihre Unterstützer setzen jedoch große Hoffnungen auf ein Umdenken der Landesregierung. Klar ist, dass ohne effektive Maßnahmen gegen die Wohnungsnot sowohl Mietsteigerungen als auch soziale Spannungen zunehmen könnten.