Am 8. März 2026 wurden rund 7,8 Millionen Wahlberechtigte in Baden-Württemberg zur Landtagswahl aufgerufen. Der Landtag, der aus mindestens 120 Abgeordneten besteht, wird alle fünf Jahre gewählt. In diesem Jahr blieben die GRÜNEN mit 30,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen die stärkste Partei, mussten jedoch einen Rückgang von 2,4 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2021 hinnehmen. Die CDU folgte dicht dahinter als zweitstärkste Kraft mit 29,7 Prozent und einem Plus von 5,6 Prozentpunkten. Die AfD erzielte mit 18,8 Prozent ein historisch hohes Ergebnis, wodurch sie nun die drittstärkste Fraktion im Landtag stellt und ihre Sitze auf 35 verdoppeln konnte (plus 9,1 Prozentpunkte).

Die SPD schloss mit einem historisch niedrigen Wert von 5,5 Prozent ab und hat nun 10 Mandate im Landtag. Sowohl die FDP als auch Die Linke scheiterten mit jeweils 4,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und ziehen nicht in den Landtag ein. Die FDP hat damit erstmals seit 1992 nicht im Landtag vertreten, während Die Linke sich leicht um 0,8 Prozentpunkte verbesserte. Insgesamt wird der neue Landtag 157 Sitze haben, was einen Anstieg von 154 Sitzen vor der Wahl darstellt.

Wahlkampf und Themen

Im Wahlkampf standen zentrale Themen wie Wirtschaftspolitik, Migration, innere Sicherheit, Bildung, soziale Themen, Kinderbetreuung, Wohnkosten und Gesundheitsversorgung im Fokus. Cem Özdemir von den GRÜNEN, der Spitzenkandidat, möchte Ministerpräsident werden und könnte als erster Regierungschef mit türkischen Wurzeln in Deutschland Geschichte schreiben. Über 70 Prozent der Wähler zeigen sich frustriert über die Bundesregierung und deren Steuerpolitik, was der AfD zugutekommt, die vor allem von bundespolitischen Themen profitiert.

Die CDU war vor der Wahl siegessicher und lag im Herbst 2024 noch 16 Punkte vor den GRÜNEN. Doch die Wahl ist anders ausgegangen, was auch an Manuel Hagel liegt, dem CDU-Spitzenkandidaten, der durch ein virales Video in eine Sexismus-Debatte verwickelt wurde. Bildungspolitik spielte im Wahlkampf kaum eine Rolle, während die Wirtschaftskrise als wichtigstes Thema wahrgenommen wurde.

Ein Blick auf die Sitze und Mandate

Die Fünf-Prozent-Hürde in Baden-Württemberg sorgt dafür, dass nur vier von 21 angetretenen Parteien den Einzug in den Landtag schafften. Dies hat zur Folge, dass GRÜNE und CDU mit 112 von 157 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit im neuen Landtag bilden. Eine Fortführung der aktuellen Koalition zwischen GRÜNEN und CDU gilt als wahrscheinlich, während ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen wird.

Die Wahl war nicht nur für die Parteien, sondern auch für die Wähler aufschlussreich. Jeder zweite Wähler der GRÜNEN gab an, wegen Özdemir für die Partei gestimmt zu haben, was zeigt, wie wichtig die Persönlichkeit eines Spitzenkandidaten für die Wählerentscheidung ist. Özdemir hat zudem Vorurteile über Spitzenkandidaten mit Migrationshintergrund widerlegt und könnte damit einen neuen Weg für zukünftige Kandidaten ebnen.

Diese Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigt nicht nur die Verschiebungen innerhalb der politischen Landschaft des Bundeslandes, sondern auch, wie stark die Stimmung und die Themen der Bundespolitik die Wähler beeinflussen. Der neue Landtag wird sich nun mit den Herausforderungen auseinandersetzen müssen, die die Wähler an sie herantragen.

Weitere Informationen zu den Wahlrechten und zur Struktur des Landtags finden Sie hier.

Für eine detaillierte Analyse und Hintergründe zur Wahl können Sie sich auf die Berichterstattung des SWR beziehen hier.

Mehr zur Wahl und den Ergebnissen finden Sie auch auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung hier.