Am 8. März 2026 steht die nächste Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Ein entscheidendes Datum für die Wählerinnen und Wähler in der Region, die in diesem Jahr gleich doppelt abstimmen dürfen. Denn erstmals haben die Wahlberechtigten zwei Stimmen zur Verfügung: Eine Erststimme für einen Direktkandidaten im Wahlkreis und eine Zweitstimme für die Landesliste einer Partei. Diese neue Möglichkeit des Stimmensplittings gibt den Wählerinnen und Wählern die Freiheit, ihre Stimmen strategisch zu vergeben, was die politische Landschaft erheblich beeinflussen könnte. Wie ausführlich berichtet wird, können die Stimmen unterschiedlich verteilt werden, um bestimmte Ziele zu erreichen, wie etwa das Überwinden der Fünf-Prozent-Hürde für Parteien.

Die Wahllokale sind am Wahlsonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet, und auch die Briefwahl steht zur Verfügung. Hierbei ist es wichtig, den Antrag bis zum Wahlsonntag um 18 Uhr zu stellen und die Wahlbenachrichtigung sowie einen Ausweis bereitzuhalten. Ein weiteres Novum bei dieser Wahl ist, dass bereits ab 16 Jahren das Wahlrecht gilt, während das passive Wahlrecht, also die Möglichkeit, selbst zu kandidieren, ab 18 Jahren bleibt.

Taktisches Wählen und seine Auswirkungen

Taktisches Wählen könnte eine entscheidende Rolle spielen. Politikwissenschaftler Frank Brettschneider hat verschiedene Szenarien skizziert, in denen Wähler ihre Zweitstimme strategisch setzen könnten. So könnten beispielsweise liberale Wähler ihre Zweitstimme der CDU geben, um die FDP nicht „zu verschenken“. Ähnlich könnte es bei Anhängern der SPD oder der Linken aussehen, die ihre Stimme den Grünen geben, um diese zu stärken. Besonders spannend wird es bei der CDU, wo Wähler der FDP ihre Stimme geben könnten, um eine Koalition zu ermöglichen. Die Umfragen zeigen, dass bereits 20 bis 25 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme aufteilen könnten, während 10 bis 20 Prozent reine Taktik-Wähler sind.

Die fünf Prozent Hürde bleibt ein zentraler Punkt, der für viele Parteien entscheidend sein kann. Nur jene Parteien, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten, können Sitze im Landtag gewinnen. Dies könnte das Wählerverhalten stark beeinflussen und die Dynamik der Wahl maßgeblich verändern. Historische Beispiele für taktisches Wählen, wie die Leihstimmenkampagnen in den 70er und 80er Jahren, könnten hier als Referenz dienen, auch wenn die heutige politische Landschaft durch die Vielzahl an Parteien komplexer geworden ist.

Wer kann wählen und wer sind die Spitzenkandidaten?

Bei der Landtagswahl dürfen nur deutsche Staatsbürger:innen ihre Stimme abgeben, wie im Grundgesetz festgelegt. EU-Bürger:innen, die in Deutschland leben, sind hiervon ausgeschlossen und dürfen nur an Kommunal- und Europawahlen teilnehmen. Eine Änderung des Grundgesetzes wäre notwendig, um das Wahlrecht auf EU-Bürger:innen bei Landtagswahlen auszuweiten, was bislang jedoch nicht realisiert wurde.

Die Spitzenkandidaten, die um die Stimmen der Wähler kämpfen, sind namhaft: Cem Özdemir von den Grünen, Manuel Hagel von der CDU, Markus Frohnmaier von der AfD, Andreas Stoch von der SPD, Kim Sophie Bohnen von der Linken und Hans-Ulrich Rülke von der FDP. Interessanterweise wird Winfried Kretschmann, der über 15 Jahre an der Spitze des Landes stand, nicht mehr antreten, was die politische Landschaft zusätzlich verändern könnte.

Die Wähler dürfen sich auf den Wahl-O-Mat freuen, der am 9. Februar 2026 bereitgestellt wird und als Entscheidungshilfe dienen soll. Die ersten Ergebnisse der Wahl sind für den Wahlabend ab 18 Uhr zu erwarten, mit Hochrechnungen gegen 18:30 Uhr. Es bleibt abzuwarten, wie die Wählerinnen und Wähler die neuen Möglichkeiten des Stimmens nutzen und welche Koalitionen sich aus den Ergebnissen ergeben werden.