Der Wahlkampf im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen ist heftiger als erwartet. Besonders die Linken-Kandidatin Ingrid Petri sieht sich in diesem Jahr unerfreulichen Angriffen ausgesetzt. Es hat nicht nur einen Vorfall gegeben, bei dem ihr Haus mit einem Ei beworfen wurde, sondern auch eine Verfolgung durch ein fremdes Auto, das sie bis nach Hause begleitete. Ihre anfängliche Freude über die Kandidatur hat sich in einem Klima von Einschüchterung und Drohungen verwandelt, wie sie berichtet. Seit ihrem Umzug nach Besigheim vor fünf Jahren hatte Petri keine derartigen Probleme, bis sie sich entschloss, aktiv bei der Wahl mitzuwirken.
Ingrid Petri hat diese Angriffe öffentlich gemacht, um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, die viele Politikerinnen und Politiker erleben. Vor und nach diesen Vorfällen gab es Klingelstreiche an ihrem Haus und die Beleidigungen in sozialen Netzwerken sind für sie leider nichts Neues. „Was in Social Media über mich verbreitet wird, zeigt die unschöne Seite des Wahlkampfs“, sagt sie. Sie beschreibt, dass ihre Kinder und Nachbarn unter den Vorfällen leiden, und sie sich nicht von den Drohungen einschüchtern lässt. Nach dem Eierwurf erhielt Petri viel Zuspruch, unter anderem vom Landesbüro der Linken, das ihre Kandidatur unterstützt.
Der andere Wahlkampf
Während Petri mit solchen Herausforderungen kämpft, gestalten andere Parteien ihren Wahlkampf ganz anders. Die SPD setzt auf ein knallrotes Hauptplakat mit dem Slogan: „Gemeinsam für Bietigheim-Bissingen, unsere Stadt, unsere Zukunft“. Themenplakate der Partei thematisieren Aspekte wie Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum. Freie Wähler hingegen verfolgen einen eigenwilligen Ansatz mit Tierbildern und einfachen, humorvollen Aussagen, wie „Mobili-tät uns gut“. Ihre Plakate, die in Blau und Grün gehalten sind, zeigen auch den Spruch „Deine erste Wahl“, und sorgen für Aufmerksamkeit.
FDP und CDU präsentieren ebenfalls ihre Themen in großen, auffälligen Plakaten. Die FDP setzt auf gelb und große Porträts ihrer Kandidaten, während die CDU prominente Gesichter wie Friedrich Merz und Ursula von der Leyen nutzt. Umso bemerkenswerter ist, dass die Linke sich klar für soziale Themen positioniert, etwa durch die Forderung nach kostenlosem Bahnfahren und einer humanitären Flüchtlingspolitik.
Die Macht der sozialen Medien
Im Kontext dieser Wahlkämpfe spielt auch die digitale Kommunikation eine bedeutende Rolle. Soziale Medien haben sich zu einem entscheidenden Werkzeug entwickelt, mit dem politische Institutionen ein breites Publikum direkt erreichen können. Die Nutzung von Plattformen wie YouTube, Facebook und Instagram nimmt in der politischen Kommunikation zu. Vor allem jüngere Wählerschichten werden über diese Kanäle angesprochen, und die Entwicklung von Social-Media-Teams innerhalb der Parteien ist stetig gewachsen. Negative Botschaften sorgen oft für hohe Nutzerreaktionen – was sichtbar macht, dass die Art der Kommunikation einen direkten Einfluss auf den Wahlkampf haben kann.
Petri selbst bleibt trotz der Widerstände optimistisch. Sie sieht die Einschüchterungsversuche nicht als Grund aufzugeben, sondern als Motivation, die Linke in den Landtag zu bringen. „Wir brauchen ein gutes Gesundheitssystem, nicht einen Systemumbruch“, sagt sie bestimmt. Ihr erstes Mal im Wahlkampf erfordert eine hohe Belastbarkeit, und die Unterstützung von Parteigenossen zeigt, dass sie nicht allein in diesem Kampf steht. Die Ereignisse stellen jedoch nicht nur eine Herausforderung für Petri dar, sondern sind symptomatisch für die aktuellen politischen Temperaturen im Land.