In Ludwigsburg wird zurzeit ein bewegendes Kapitel der deutschen Geschichte beleuchtet: Die Wanderausstellung „gefährdet leben“ erinnert an die Schicksale queerer Menschen während der NS-Zeit. Diese Ausstellung zeigt nicht nur die staatliche Repression und Verfolgung, sondern gibt auch einen tiefen Einblick in die Liebe und Freundschaften, die unter widrigen Bedingungen entstanden sind. Sie ist bis Mitte Januar im Staatsarchiv Ludwigsburg zu sehen und bietet einen einzigartigen Blick auf die Geschichte von Friedrich Enchelmayer, einem homosexuellen Mann aus Stuttgart-Bad Cannstatt, der tragisch unter den Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes litt.

Friedrich Enchelmayer wurde in den Jahren 1934 und 1937 wegen seiner sexuellen Orientierung nach Paragraph 175 verurteilt, welcher „Unzucht zwischen Männern“ unter Strafe stellte. Leider ist nur ein einziges Foto von ihm erhalten geblieben, das sein Schicksal symbolisiert. Trotz einer zweijährigen Beziehung zu einem Mädchen, die ihm nicht gerecht wurde, musste er erkennen, dass er nicht zu den gesellschaftlichen Erwartungen passte. Diese innere Zerrissenheit und die öffentliche Repression führten dazu, dass Enchelmayer deportiert wurde und letztlich im Konzentrationslager Dachau starb. Am 9. November 1940 kam es zu seinem grausamen Tod.

Die Bedeutung von Paragraph 175

Eingerichtet wurde Paragraph 175 bereits im Kaiserreich, schränkte er zahlreiche homosexuelle Männer in ihrer Freiheit und Identität ein. Erst 1994 wurde dieser Paragraph aus dem deutschen Rechtssystem entfernt, was homosexuellen Männern erlaubte, ihre Sexualität offen zu leben. Vor seiner Streichung wurden etwa 64.000 Männer allein in der Bundesrepublik aufgrund dieser Strafvorschrift verurteilt, viele von ihnen landeten in Konzentrationslagern – ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, das bis heute nachhallt. Auch Lesben waren von Diskriminierung betroffen, doch erst in den 1980er Jahren wurde den lesbischen Müttern das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen und die Diskriminierung setzte sich fort.

Die Ausstellung, organisiert von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, greift solche traumatischen Erfahrungen auf und zeigt die regionale Perspektive mithilfe von Dokumenten aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg. Diese Darstellungen sind notwendig, um den Opfern von damals eine Stimme zu geben und damit auch den heutigen Herausforderungen von Diskriminierung und Ausgrenzung entgegenzuwirken. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verfolgung von Homosexualität in verschiedenen Formen fortgeführt, was zeigt, wie tief die Vorurteile in der Gesellschaft verwurzelt waren und zum Teil bis heute sind.

Wer sich für diese leidvolle Zeit der Geschichte interessiert, sollte unbedingt einen Besuch der Wanderausstellung in Ludwigsburg einplanen. Es gibt viel zu lernen über die Stärke und den Mut, den queere Menschen in der Vergangenheit aufgebracht haben, um für ihr Leben und ihre Liebe zu kämpfen. Ein Besuch ist nicht nur eine Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung zu erweitern, sondern auch, die Lehren aus der Geschichte neu zu reflektieren.

Diese Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hat hohe Aktualität. Homophobie und Diskriminierung sind auch im 21. Jahrhundert noch weit verbreitet. Das Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit hat in den letzten Jahren im Deutschen Bundestag mehr Raum eingenommen, was zeigt, dass wir die Thematik nicht vergessen sollten, um Fortschritte in der Gleichberechtigung zu erzielen.

Die Ausstellung ist noch bis Mitte Januar geöffnet und bietet eine wertvolle Gelegenheit, sich mit diesen wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen – für Frieden, Toleranz und ein respektvolles Miteinander.