In Baden-Württemberg fanden auch in diesem Jahr die traditionellen Ostermärsche statt, die zwischen dem 2. und 6. April 2026 viele tausende Teilnehmer anziehen. Diese Veranstaltungen stehen im Zeichen des Friedens und der Abrüstung und thematisieren aktuelle Konflikte wie den Krieg im Iran, die Gewalt in Israel sowie den Ukraine-Konflikt. Die Ostermärsche sind eine wichtige Plattform für die Friedensbewegung in Deutschland, die seit über 60 Jahren besteht und sich für eine friedliche Lösung internationaler Konflikte einsetzt. Mehr als hundert Veranstaltungen, darunter Fahrradkorsos, Konzerte und Kundgebungen, wurden im gesamten Bundesland organisiert, um auf die drängenden Themen aufmerksam zu machen, die die Menschen bewegen.
In Stuttgart schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf etwa 3.000, während die Veranstalter sogar von 5.000 Menschen sprachen. Die Kundgebung begann vor der Kommandozentrale des US-Militärs in Stuttgart-Vaihingen und endete am Schlossplatz, wo die Teilnehmer unter anderem ein uneingeschränktes Recht auf Kriegsdienstverweigerung und die Rücknahme des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes forderten. Auch in anderen Städten wie Ellwangen, Freiburg, Mannheim und Karlsruhe-Mühlburg versammelten sich zahlreiche Demonstranten, um für Frieden und Abrüstung zu demonstrieren.
Friedensmarsch von Stuttgart nach Ulm
Besonders bemerkenswert war der Friedensmarsch von Stuttgart nach Ulm, an dem rund 30 Teilnehmer teilnahmen. Die etwa 90 Kilometer lange Strecke führte vom Schlossplatz in Stuttgart bis zum Münsterplatz in Ulm, wo die Ankunft am Montagmittag stattfand. Diese Form des Protestes zeigt, dass die Friedensbewegung auf kreative und engagierte Weise versucht, Gehör zu finden.
Die zentralen Themen der Demos sind vielfältig: Neben dem Krieg im Iran wird auch ein Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt gefordert, und das Augenmerk richtet sich auf die weltweite nukleare Abrüstung. Kristian Golla, Sprecher des Netzwerks Friedenskooperative, hebt hervor, wie wichtig diese Friedensmärsche in Anbetracht aktueller Konflikte und der Stärkung des Völkerrechts sind. Auch die Reform des Wehrdienstes durch die Bundesregierung, bei der alle 18-Jährigen seit Jahresbeginn einen Fragebogen zur „Motivation und Eignung“ für den Dienst erhalten, spielt eine wesentliche Rolle in den Diskussionen.
Ein historischer Rückblick auf die Ostermärsche
Die Ursprünge der Ostermärsche lassen sich bis in die 1960er Jahre zurückverfolgen, als am 15. April 1960 der erste Ostermarsch in Deutschland stattfand. Organisiert von Atomkriegsgegnern, richtete sich der Protest gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland. Diese Bewegung, inspiriert von der britischen „Campaign for Nuclear Disarmament“, erlebte ihren Höhepunkt 1968 mit 300.000 Teilnehmern. In Krisenzeiten, wie während des Golfkriegs 1991 oder dem Irakkrieg 2003, fanden die Ostermärsche immer wieder großen Zulauf. Auch in den letzten Jahren, insbesondere 2022 im Kontext des Ukraine-Kriegs, mobilisierten die Organisatoren erneut viele Menschen.
Die Ostermärsche sind dezentral organisiert und umfassen eine Vielzahl von Trägern, darunter Kirchen, Gewerkschaften und pazifistische Organisationen. Die bundesweite Mobilisierung sieht sich jedoch Herausforderungen gegenüber, da das Sicherheitsgefühl der Deutschen gesunken ist und viele befürchten, dass ihr Land in einen Krieg verwickelt werden könnte. Trotzdem erwartet Golla, dass die aktuelle geopolitische Lage zu einer höheren Teilnehmerzahl an den Ostermärschen führen wird als im Vorjahr. Die Menschen sind sensibel für die Bedrohungen des Friedens und suchen nach Wegen, sich zu engagieren und ihre Stimme zu erheben.
Ein weiterer Ostermarsch ist für Montag an der Wilhelmsburg-Kaserne in Ulm geplant, mit einer Schlusskundgebung um 13 Uhr auf dem Münsterplatz. Die Teilnehmer setzen sich weiterhin für Frieden und Abrüstung ein und fordern eine diplomatische Lösung der Konflikte, während sie gleichzeitig die Bundesregierung für ihre „selektive Auslegung des Völkerrechts“ kritisieren. Die Ostermärsche bleiben ein unverzichtbarer Teil der deutschen Friedensbewegung und sind ein eindringlicher Ausdruck des Wunsches nach einer friedlicheren Welt.
Für weitere Informationen zu diesen Veranstaltungen und der aktuellen Situation in Deutschland, besuchen Sie die vollständigen Berichte auf Tagesschau, DW und NDR.