In Ravensburg sind die Zeiten für den Einzelhandel herausfordernd. Nur 14 Prozent aller deutschen Städte können mit so wenig Leerstand im Einzelhandel aufwarten wie die Oberschwabenstadt. Oberbürgermeister Daniel Rapp sieht die lokalen Händler, die „extrem unter Druck“ stehen. Dies ist vor allem auf den wachsenden Online-Handel und die anhaltende Wirtschaftsflaute zurückzuführen. Rapp fordert, dass die Einzelhändler kreative Dienstleistungen, individuelle Beratung und Einkaufserlebnisse bieten, die im Internet nicht zu finden sind. So können sie sich gegen die Konkurrenz behaupten, wie Schwäbische berichtet.
Ein Lichtblick in dieser trüben Situation ist das Traditionsunternehmen Thommel. Der seit über 150 Jahren in Ravensburg tätige Betrieb hat kürzlich einen umfassenden Umbau abgeschlossen und wird am 8. und 9. November, passend zum Martinimarkt, wiedereröffnet. Dabei verwandelt sich das Geschäft in einen Concept Store, der sich auf Einrichtung, Dekoration und Geschenkartikel spezialisiert hat. Diana Reis-Büdinger wird die Leitung des neuen Stores übernehmen, der auf dem Marienplatz 75 zu finden ist.
Ein neues Einkaufserlebnis
Der neue Concept Store soll eine Erlebniswelt beim Einkaufen bieten. Im Erdgeschoss lädt das Café „Hej Popie“ die Kunden zum Verweilen ein, wo sie zwischen den angebotenen Waren Platz nehmen und Inspiration für ihr Zuhause finden können. Das Café nimmt etwa ein Viertel der Verkaufsfläche ein und bietet auch kleinere Mahlzeiten an. Thommel orientiert sich dabei ganz klar an stilvollem Wohnen und der Präsentation von Geschenkideen – Haushaltswaren stehen weniger im Fokus.
Die gesamte Verkaufsraumgestaltung zeigt sich weihnachtlich und in verschiedenen Farbspektren. Kunden haben die Möglichkeit, sich von den Einrichtungsideen treiben zu lassen und zugleich die gemütliche Atmosphäre des Cafés zu genießen. So wird nicht nur das Einkaufen selbst zum Erlebnis, sondern auch der Aufenthalt im Geschäft.
Bewegungen in der Stadt
Die Frequenz in der Ravensburger Innenstadt hat sich durch kostenlose Parkmöglichkeiten in der Marienplatz-Tiefgarage und durch kostenloses Fahren mit dem ÖPNV an Samstagen erhöht. Rapp plant, bewährte Maßnahmen zur Unterstützung des Einzelhandels zu verlängern, und der Gemeinderat wird über die Fortführung dieser Schritte entscheiden.
Wie allgemeine Daten zur Leerstandssituation zeigen, liegt die durchschnittliche Leerstandquote in Innenstädten und anderen Verkaufsflächen bei rund 10 Prozent. Nur etwa 7 Städte verzeichnen einen Leerstand von mehr als 10 Prozent in Fachmarktlagen, was die positive Entwicklung in Ravensburg ebenfalls unterstreicht. Vor allem Fachmarktzentren sind gefragter denn je, und der Leerstand nimmt in diesem Bereich ab, wie die Handelsdaten zeigen.
Auch wenn der Einzelhandel weiterhin mit Herausforderungen kämpft, gibt es kreative Lösungen und Konzepte, die das Einkaufen wieder attraktiver machen. Der neue Thommel-Store und ähnliche Initiativen sind ein Schritt in die richtige Richtung, um den Einkaufsstandort Ravensburg lebendig zu halten.





