In Fellbach, einer Stadt im Herzen von Baden-Württemberg, gibt es derzeit einen beträchtlichen Anstieg an Bestattungen. Vor allem Baumgräber erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten, hat der Fellbacher Gemeinderat beschlossen, 450 neue Baumgräber zu schaffen, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Diese Maßnahme ist auch ein Zeichen für das sich verändernde Bestattungsverhalten, bei dem immer mehr Menschen einen naturnahen Umgang mit dem Tod suchen.
Die Gesamtinvestition für die Einrichtung dieser neuen Baumgräber beläuft sich auf stolze 275.000 Euro. Bereits vor einigen Jahren wurde das erste Baumgräberfeld angelegt, wo sich mittlerweile 324 Gräber befinden. Ein zweites Feld, das 2022 eröffnet wurde, hebt sich durch seine hügeligen Staudenpflanzungen hervor.
Herausforderungen und Lösungen
Trotz des großen Interesses an diesen naturnahen Bestattungsmöglichkeiten sind die Herausforderungen bei den Beisetzungen nicht zu unterschätzen. So müssen im Vorfeld Stauden gerodet werden, was einen hohen Pflegeaufwand mit sich bringt. Der aktuelle Entwurf für das dritte Grabfeld berücksichtigt diese Herausforderungen und strukturiert das Gelände durch gezielte Staudenhügel, um die Pflege zu erleichtern. Die Beisetzungen selbst erfolgen in einer Rasenfläche, wobei eine zentrale Versammlungsstelle in Form eines Kreises eingeplant ist.
Die Bauarbeiten für dieses innovative Grabfeld sind bereits in vollem Gange, und die Bepflanzung soll im März 2026 erfolgen. Um sicherzustellen, dass nur Verstorbene mit Bezug zu Fellbach hier eine Ruhestätte finden, wird die Vergabe der Baumgräber angepasst.
Neue Bestattungsalternativen
Parallel zu den Entwicklungen in Fellbach gewinnt eine ganz neue Bestattungsalternative, die Reerdigung, zunehmend an Bedeutung. Diese Methode, die in den USA initiiert wurde, wandelt den menschlichen Körper innerhalb von 40 Tagen in Erde um. Dabei werden Mikroorganismen eingesetzt, die den Körper in einem sargähnlichen Kokon transformieren, und das Bett aus Heu und Blumen sorgt für eine natürliche Umgebung.
Ein wichtiger Vorteil der Reerdigung ist ihre ökologische Ausrichtung: Sie benötigt keine Lackierung oder Plastik, was sie zu einer umweltfreundlichen Bestattungsalternative macht. Angehörige werden während des gesamten Prozesses von Bestattungsinstituten und Seelsorgern begleitet, und die Zeremonie kann an einem beliebigen Ort stattfinden.
Obwohl die Reerdigung in Deutschland in einigen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Hamburg bereits möglich ist, bleibt sie in vielen anderen Regionen noch in der Entwicklung. Dennoch könnte sie bald auch in Fellbach und Umgebung auf Interesse stoßen, da das Bedürfnis nach nachhaltigen Bestattungsformen weiterhin wächst.
Die Kombination aus traditioneller Baumgrabern und innovativen Ansätzen wie der Reerdigung zeigt, wie vielfältig der Umgang mit dem Thema Bestattung heute ist. Für die zukünftige Gestaltung der Friedhofskultur wird es entscheidend sein, wie Gemeinden wie Fellbach auf diese Bedürfnisse reagieren und Lösungen entwickeln.