In Reutlingen stehen die Zeichen auf Sparsamkeit und Veränderung. Am Donnerstagabend wurde der Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 beschlossen. Dies geschah in einer bemerkenswerten Sitzung des Gemeinderats, die von Protesten begleitet wurde. Die Gewerkschaft ver.di und der Personalrat der Stadtverwaltung zeigten sich besorgt über die Folgen des Sparhaushalts und fürchteten um die Arbeitsbedingungen sowie um längere Wartezeiten für die Bürger.
Vor den Toren des Gemeinderats demonstrierten die Protestierenden mit über 250 durchnummerierten Luftballons im Foyer, die symbolisch für die Arbeitsplätze stehen, die in den nächsten vier Jahren verloren gehen könnten. Unerwartet kam der Beschluss des Doppelhaushalts jedoch mit großer Mehrheit zustande; sieben der acht Fraktionen stimmten dafür, nur die AfD sprach sich gegen die Haushaltsplanung aus. Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) bezeichnete den Etat als „den schmerzhaftesten Sparhaushalt, den die Stadt je gesehen hat“.
Finanzielle Herausforderungen und Investitionen
Der neue Haushalt bringt jedoch nicht nur Einschnitte mit sich. Trotz des Sparprogramms plant Reutlingen hohe Investitionen, insbesondere in Schulen und die städtische Infrastruktur. Die Verwaltung hat bereits Anstrengungen unternommen, um eine Lücke im Ergebnishaushalt von rund 50 Millionen Euro zu schließen. Diese Investitionen richten sich auf wichtige Bereiche wie die Mobilitätswende und notwendige Sanierungen.
Insgesamt sehen die Planungsschritte auch neue Ansätze zur Umsetzung der Vorhaben vor. „Wir wollen trotz des Defizits handlungsfähig bleiben und Perspektiven eröffnen“, heißt es in der Verwaltung. Auch die Kita-Gebühren bleiben von Erhöhungen verschont, sodass die Zweigstellen der Stadtbibliotheken weiterhin bestehen bleiben und Nachtbusse durch die Straßen der Stadt rollen können. Zudem sind beträchtliche Mittel für die Stadtwerke und die Sanierung des Rathauses vorgesehen. Das Ganze wird unterstützt durch Bundesmittel, die mit den geplanten Investitionen in Schulen und Infrastruktur einhergehen.
Der Blick nach vorn
Die Grünen und die FDP zeigen sich zuversichtlich, dass die Einschnitte weniger hart ausfallen, als ursprünglich befürchtet, vor allem, weil die Kreisumlage nicht so stark steigt wie angenommen. Die Verwaltung soll jetzt neue Wege erkunden, um die gesetzten Ziele zu erreichen, ohne die Bürger mit höheren Gebühren zu belasten. Sollten die Vorschläge der Verwaltung erfolgreich umgesetzt werden, könnte Reutlingen trotz finanzieller Flaute gestärkt aus dieser schweren Zeit hervorgehen.
Der Weg ist sicherlich steinig und herausfordernd, aber das Engagement der Stadtverwaltung und die tatkräftige Unterstützung der Bürger könnten den entscheidenden Unterschied ausmachen. Und so bleibt zu hoffen, dass Reutlingen gut aus dieser Phase der Umstrukturierung herauskommt – da liegt viel an der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen und am Willen aller Beteiligten.
Für weitere Informationen zu den Details des Doppelhaushalts können Sie die Berichte auf SWR SWR berichtet, dass … sowie der offiziellen Stadtseite Reutlingen informiert über den Doppelhaushalt 2026/2027 nachlesen.




