Heute ist der 10.02.2026 und in Rottweil wird die Fasnet nicht nur in den Straßen, sondern auch in den gemütlichen Wohnzimmern gefeiert. Diese Tradition, private Feierlichkeiten in Form von Hausbällen und Kappenabenden abzuhalten, erlebt eine wahre Renaissance. Gunther Wilde, ein passionierter Fasnetsfreund, erinnert sich an die Kappenabende seiner Kindheit in den 1980er-Jahren, als seine Eltern mit befreundeten Familien fröhliche Stunden verbrachten. Nachdem in den späten 1980er-Jahren die Saalfasnachten zurückgingen, wurde das Feiern im Privaten zur beliebten Alternative. Die Familie Wilde veranstaltete nach dem Erwerb ihres Hauses in den 1990er-Jahren kleine Kappenabende, die 2022 mit dem ersten offiziellen Hausball in der renovierten „Narrenstube“ ihren Höhepunkt fanden.

Diese Feierlichkeiten sind liebevoll geplant und beinhalten ein Motto, Einladungen, Dekoration und gemeinsames Essen. Typischerweise kommen rund 30 bis 35 Gäste zusammen, um Geselligkeit zu genießen, Musik zu hören und Gespräche zu führen. Getränke werden von der Familie bereitgestellt, und das Fest wird durch eine Spendenkasse finanziert. Ein weiteres Beispiel für die lebendige Fasnet-Tradition in Rottweil sind die Englerth-Hansmanns, die seit über 20 Jahren Hausbälle feiern. Diese Tradition geht auf die Kappenabende der Großeltern in den 1970er- und 1980er-Jahren zurück. Die Vorbereitungen sind routiniert und dauern meist nur einen Vormittag, wobei das Wohnzimmer während der Fasnet mit einem Teppich ausgelegt wird, um das Inventar zu schützen.

Tradition und Spontaneität

Die Rottweiler Fasnet ist geprägt von einer kreativen und abwechslungsreichen Gestaltung der Mottos und Dekorationen. So wurden schon Biathlon-Zielscheiben oder sogar eine Strandbar im Garten umgesetzt. Überraschungsgäste und spontane musikalische Einlagen gehören ebenfalls zu den Hausbällen, die in ihrer Ungezwungenheit und Spontanität den Spaß an der Feierlichkeit betonen. Die Rottweiler Fasnet lebt somit nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Wohnzimmern der Stadt und durch das gemeinsame Feiern.

Am Fastnet Monday beginnt der Rottweiler Narrensprung um 8 Uhr morgens, wo sich die Feiernden hinter dem Schwarzen Tor versammeln. Die Stadtband spielt den Narrenmarsch, und Herolde auf Pferden kündigen den Beginn des Festes an. Junge Geiselklepfer knallen laut mit ihren Peitschen, während die Jesters den Rottweiler Karnevalsruf „huhuhu“ anstimmen. Die traditionellen Kostüme, wie Gschell, Biss und Bennerrössle, werden oft über Generationen hinweg weitergegeben.

Ein Teil der Geschichte

Die Rottweiler Fasnet hat eine jahrhundertealte Geschichte und zählt zu den prächtigsten Straßenfastnachten im schwäbisch-alemannischen Raum. Urkundliche Erwähnungen dieser Tradition reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Elemente wie der Narrentanz und das Narrenspiel sind im „Narrensprung“ und im „Aufsagen“ erhalten geblieben. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Fasnet zu einem glanzvollen Ereignis, das jährlich tausende Zuschauer anzieht. Trotz wiederholter Versuche der Obrigkeit, die Fasnet zu verbieten, wurde sie im 19. Jahrhundert durch „Prinz Karneval“ beeinflusst, was zu einer Verdrängung des alten Narrentreibens führte.

Die „Narrenzunft“ wurde 1903 wieder gegründet, was zur Wiederbelebung des traditionellen Rottweiler Fastnachtsbrauchtums führte. Heute wird dieses Brauchtum weitgehend unverfälscht bewahrt und gelebt. Diese Verbindung zwischen Tradition und moderner Feierkultur zeigt, wie tief verwurzelt die Fasnet in der Identität der Rottweiler Bevölkerung ist. So wird die Fasnet nicht nur als Fest, sondern auch als Teil der kulturellen Identität der Stadt verstanden. Weitere Informationen zur Fasnet in Rottweil finden Sie auf der Webseite des Tourismus Rottweil sowie auf der Seite der Stadt Rottweil und in einem Artikel des Schwarzwälder Bote.