In Langenhaslach, Bayerisch-Schwaben, hat Robin Graf eine Scheune eröffnet, die einen restaurierten historischen Holzwohnwagen aus dem Jahr 1878 beherbergt. Diese Ausstellung steht im Zeichen der Jenischen, einer wenig bekannten Minderheit, die seit Jahrhunderten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich lebt. Historisch waren die Jenischen vor allem als Scherenschleifer, Lumpensammler und Verkäufer unterwegs. Leider hat die Geschichte dieser Gruppe auch düstere Kapitel, insbesondere während der NS-Zeit, als sie verfolgt und ermordet wurden. Auch heute gibt es noch Diskriminierung, was die Jenischen dazu veranlasst, eine offizielle Anerkennung als nationale Minderheit in Deutschland anzustreben. Der Bundestag muss darüber entscheiden, und derzeit leben schätzungsweise 200.000 Jenische in Deutschland.
Das Zentrum der Jenischen Kultur in Deutschland liegt in Ichenhausen, 30 Kilometer östlich von Ulm, wo der Fußballclub „Grün-Weiß Ichenhausen“ eine wichtige Rolle spielt. Paul Graf, 78 Jahre alt, hat von der Diskriminierung und den Vorurteilen berichtet, die er während seiner Kindheit erlebte. Jenische Kinder hatten oft mit Benachteiligungen in Schulen zu kämpfen und erreichten selten einen Schulabschluss. Ein anonym bleibender 73-jähriger Jenischer erzählt von seiner Familie, die bis in die 1960er Jahre mit einem Holzwohnwagen reiste. Der erwähnte Holzwohnwagen wurde während der NS-Zeit vor der Zerstörung gerettet und später dem Zentralrat der Jenischen geschenkt. Im September 2025 wurde er beim Bürgerfest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin ausgestellt.
Die Herausforderungen der Anerkennung
Der Weg zur Anerkennung als nationale Minderheit gestaltet sich jedoch als herausfordernd. Der Zentralrat der Jenischen hat im Haus der Bundespressekonferenz einen Katalog mit sieben wissenschaftlichen Gutachten vorgestellt, die als Nachweis für die fünf Kriterien zur Anerkennung dienen. Petra Pau von der Fraktion Die Linke hat eine Neubewertung dieser Gutachten gefordert und regt eine Anhörung im Innenausschuss des Deutschen Bundestages im Januar an. Klaus Vater, politischer Berater des Zentralrats, weist auf die alltägliche Diskriminierung hin und betont die Notwendigkeit eines wirksamen Minderheitenschutzes. Martti Zeyer, wissenschaftlicher Referent, erkennt in den Gutachten die Sprache, Kultur und ethnische Eigenständigkeit der Jenischen als belegt an.
Renaldo Schwarzenberger, Vorsitzender des Zentralrats, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Gutachten neu zu bewerten und die Anerkennung umzusetzen. Die fachlichen Vorarbeiten sind abgeschlossen; nun liegt es an der Politik und der Regierung, weitere Schritte zu unternehmen. Die Gutachten sind auf der Unterseite des Zentralrats einsehbar, was die Transparenz in diesem Prozess erhöht.
Ein Blick auf die Geschichte und Kultur
Die Jenischen leben seit Jahrhunderten in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Staaten. Es bestehen jedoch große Forschungsdefizite über ihre Herkunft, Sprache und Kultur. Historisch betrachtet waren die Jenischen ein verarmtes, oft stigmatisiertes Randvolk, das aufgrund seiner Lebensweise häufig Ausgrenzung und Benachteiligung erfahren hat. Im Laufe der Geschichte waren sie immer wieder Ziel staatlicher Repressalien.
Die Gruppe Die Linke hat sogar eine Kleine Anfrage (20/14389) zur Anerkennung der Jenischen als nationale Minderheit gestellt. Abgeordnete fragen nach weiteren Gesprächen seit einem Treffen im September 2022 zwischen dem Zentralrat der Jenischen und der Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten bezüglich des Antrags auf Anerkennung.
Regina Bachinger und Melanie Scheffel betonen die katholische Tradition der Jenischen sowie ihre Teilnahme an Wallfahrten, während Melanie Scheffel und Patrick Röder das Leben der Jenischen zwischen Tradition und Moderne beschreiben. Ein Beispiel dafür ist der Faschingsball in Ichenhausen, ein beliebtes Fest, das auch viele Nicht-Jenische anzieht. Die Jenischen haben eine eigene Sprache entwickelt, die eine Mischung aus deutschen Wortentlehnungen, Hebräisch und Romanes ist, was ihre kulturelle Identität weiter unterstreicht.
Die Diskussion um die Anerkennung der Jenischen als nationale Minderheit bleibt also spannend und zeigt, wie wichtig es ist, die kulturellen und historischen Wurzeln dieser Gruppe zu respektieren und zu bewahren. Um mehr über die Jenischen zu erfahren, kann der interessierte Leser die umfassenden Informationen auf den Webseiten des Zentralrats der Jenischen und der Schwäbischen Post einsehen: Schwäbische Post und Zentralrat der Jenischen.



