In der kleinen Gemeinde Krauchenwies bei Sigmaringen gibt es ein mysteriöses Kreuz, das eine traurige Geschichte birgt. Ingrid Geiselhart, 78 Jahre alt, reagierte auf einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung über Franz Baumgartner und teilte wertvolle Informationen über das Kreuz, das ursprünglich ihren Großeltern gehörte. Dieses Kreuz wurde angeschafft, nachdem ihr Großvater Georg 1958 starb. Tragischerweise verlor auch ihre Großmutter Anna zehn Jahre später bei einem Verkehrsunfall in Krauchenwies ihr Leben.

Ingrid Geiselhart vermutet, dass das Kreuz bis 1998 auf dem Friedhof stand. Die Familie entschied sich, die Liegezeit des Kreuzes nicht zu verlängern, da es noch in Ordnung war. Als die Gemeinde Krauchenwies die Familie fragte, ob sie das Kreuz benötigen oder es der Gemeinde überlassen könnten, gab die Familie es gerne ab. Später bemerkte Ingrid Geiselhart, dass das Kreuz beim Denkmal für Josef Baumgartner im Krauchenwieser Park aufgestellt wurde.

Die tragische Geschichte von Franz Baumgartner

Franz Baumgartner, der am 22. April 1945 in Krauchenwies erschossen wurde, war erst 17 Jahre alt. Er war an der Schweizer Grenze in Bad Säckingen aufgewachsen und hatte in der elterlichen Landwirtschaft mitgeholfen, bevor er eine Lehre als Kaufmann begann. Zu dieser Zeit war er Mitglied des Jungvolks sowie der Hitlerjugend und nahm an Wehrertüchtigungslagern teil. Am 20. April 1945, nur zwei Tage vor seinem Tod, besuchte sein Vater ihn und berichtete von der emotionalen Verfassung seines Sohnes.

Franz Baumgartner fiel während eines Einsatzes als Wachposten, als er von französischen Soldaten entdeckt wurde. Zusammen mit einem Kameraden wurde er durch MG-Salven getötet. Der Tod wurde den Angehörigen erst im September 1945 durch einen Verwandten in Krauchenwies bekannt gegeben. Ein trauriges Detail: Der Sarg von Franz Baumgartner war in einem schlechten Zustand und musste ersetzt werden, als die Eltern die Genehmigung zur Überführung des Leichnams im November 1945 erhielten.

Das Gedenken und die Bedeutung des Kreuzes

Das Schicksal von Franz Baumgartner ist Teil der komplexen Geschichte des Zweiten Weltkriegs, der am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete. Die Erfassung der Daten zu Kriegstoten ist noch nicht abgeschlossen, und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge arbeitet daran, etwa 450.000 Namen in die Datenbank aufzunehmen, um der Toten beider Weltkriege und der Opfer von Gewaltherrschaft zu gedenken.

Das Kreuz, das ursprünglich für die Geiselhart-Familie bedeutend war, hat nun eine symbolische Verbindung zu Franz Baumgartner und zu einem Teil der Geschichte, der nicht vergessen werden darf. Es ist ein Zeichen des Gedenkens und der Versöhnung, das die Gemeinde Krauchenwies mit ihrer Vergangenheit verbindet.