In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass die Herausforderungen an Pädagoginnen und Pädagogen in Köln zunehmen. Kinder zeigen zunehmend „herausforderndes Verhalten“, was sich konkret in Erziehungseinrichtungen deutlich bemerkbar macht. Fälle, in denen Schüler wütend Klassenzimmer verlassen oder sich im Treppenhaus verstecken, werden immer häufiger. Walter Beyer, stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), hebt hervor, dass viele Kinder Schwierigkeiten haben, ihre Wut und Frustration zu regulieren. Dabei nimmt das Problem von Unterrichtsverweigerung und impulsivem Verhalten kontinuierlich zu. Diese Aussagen wurden von der Schwäbischen Zeitung in einem aktuellen Artikel unterstrichen, der die prekäre Lage in Schulen und Kitas thematisiert berichtet.
Die Belastung für Lehrkräfte scheint enorm. Eine Umfrage unter 1340 Grundschullehrkräften zeigt, dass 97% von ihnen hohe Belastungen empfinden. Besonders herausfordernd sind die Heterogenität der Schülerschaft sowie Disziplinschwierigkeiten und neue Konzeptvorgaben, die jeweils von 57% der Befragten als große Probleme identifiziert werden. Auch in Kindertageseinrichtungen empfinden 92% der 810 befragten Erzieher ihre Arbeitsbelastung als hoch. Solche Zahlen sprechen für sich und erfordern dringende Maßnahmen, um die Situation zu verbessern.
Gesellschaftliche Veränderungen als Ursache
Laut Beyer könnte der Anstieg von herausforderndem Verhalten in Verbindung mit gesellschaftlichen Veränderungen stehen. Immer weniger Geschwister, geringere Vereinsbindungen, sich verändernde Familienstrukturen und ein steigender Medienkonsum könnten die soziale Entwicklung der Kinder negativ beeinflussen. Lehrkräfte fühlen sich oftmals überfordert und erkämpfen sich in ihrer täglichen Arbeit mit der Notwendigkeit, sowohl Bindungen aufzubauen als auch auf Stresssituationen angemessen zu reagieren. Experten aus dem Bereich Lehrerfortbildung betonen, dass es weitreichenden Bedarf an Beratung und Unterstützung gibt, um dem „herausfordernden Verhalten“ von Schülern gerecht zu werden.
Die Bearbeitung solcher Verhaltensweisen stellt Lehrkräfte aller Schularten vor eine große Herausforderung, egal ob ein sonderpädagogischer Bildungsanspruch festgestellt ist oder nicht. Eine Handreichung des Landesinstituts für Schulentwicklung von 2013 bietet einige Empfehlungen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung an, die als wertvolle Unterstützung dienen könnten. Lehrkräfte erhoffen sich anscheinend ausreichend Werkzeuge, um besser mit der jeweiligen Situation umgehen zu können und weiterhin ihre pädagogische Rolle wahrzunehmen.
Notwendigkeit von neuen Konzepten
In der heutigen Bildungspolitik sehen viele Lehrkräfte dringenden Handlungsbedarf. Beyer fordert mehr Personal sowie die Einführung von festen Ansprechpersonen für Kinder mit herausforderndem Verhalten. Zudem ist es laut ihm von entscheidender Bedeutung, dass die Rahmenbedingungen in der Bildung finanziell besser ausgestattet werden. Daraus folgt ein eindringlicher Appell an Eltern, Schulen und Kitas, sich gemeinsam für eine Verbesserung des Bildungs- und Erziehungsauftrags einzusetzen.
Die Situation erfordert ein Umdenken und eine reflektierte Auseinandersetzung mit den individuellen Gegebenheiten im Unterricht. In der Literatur wird dazu geraten, Kontextfaktoren, das eigene Lehrerbild sowie die Wechselwirkungen innerhalb der Lerngruppe kritisch zu hinterfragen. Nur so kann ein nachhaltig positives Schulklima entstehen, welches das emotionale und soziale Wachstum der Schülerinnen und Schüler fördert. Lösungen könnten auch durch einen Paradigmenwechsel in der Schule, der stärkere Autorität und Mitgefühl fördert, angestoßen werden. Literatur beleuchtet diese Ansätze und zeigt mögliche Perspektiven für einen besseren Umgang mit emotional und sozial gestörtem Verhalten in der Schule auf.