Im Amtsgericht Bad Saulgau sorgt ein ganz besonderer vierbeiniger Helfer für eine angenehme Atmosphäre während der oftmals belastenden Kinderanhörungen. Therapiehund Lila, die von der Verfahrensbeiständin Katja Holl ausgebildet wurde, hat sich als echter „Türöffner“ erwiesen, der den kleinen Opfern hilft, sich sicherer zu fühlen. Während die Kinder in einem kindgerecht eingerichteten Zimmer mit Lila interagieren, erklärt die Richterin altersgerecht, was im Verfahren passiert. Diese entspannten Momente sind entscheidend, denn sie fördern nicht nur das Vertrauen der Kinder, sondern können auch das gesamte Verfahren erheblich erleichtern.
Katja Holl, die in Vollzeit als Verfahrensbeiständige arbeitet, hat in ihrer Rolle nicht nur die Aufgabe, die Stimme der Kinder zu vertreten, sondern auch, deren Bedürfnisse im Verfahren ausreichend zu berücksichtigen. Ihre Einsätze führen sie zu verschiedenen Gerichten in der Region, darunter Sigmaringen, Hechingen und Ravensburg. Sie legt großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Ärzten und anderen Bezugspersonen, um ein umfassendes Bild von den jungen Klägern zu erhalten. „Lila ist der dritte Therapiehund in meinem Team. Sie hat alle Prüfungen bestanden und eine umfassende Ausbildung durchlaufen“, betont Holl.
Therapiehunde als Unterstützung in der Justiz
Therapiehunde wie Lila sind in Deutschland eher rar gesät. Ihnen kommt eine besondere Rolle zu, wenn es darum geht, Opfern und Zeugen, insbesondere Kindern, bei Gericht zu helfen. vdtt.org hebt hervor, dass das Streicheln von Tieren nachweislich den Blutdruck senkt und Stress reduziert. Dieses Phänomen ist besonders wertvoll in einem Gerichtssaal, der oft eine belastende Atmosphäre erzeugt. Gerade für Kinder, die über erlebte Grausamkeiten sprechen müssen, kann die Anwesenheit eines Hundes den Prozess erheblich erleichtern.
In Baden-Württemberg, wo ebenfalls ein Qualifizierungsprogramm für Vernehmungsbegleithunde ins Leben gerufen wurde, haben sieben Teams aus Mensch und Hund ihre Ausbildung erfolgreich absolviert. Diese Hunde, wie die ruhige Hündin Gina, helfen dabei, Stress und Angst bei jungen Opfern abzubauen. tagesschau.de berichtet von einem positiven Echo aus den Gerichtssälen, wo diese Hunde als „Ruhepol“ fungieren und damit die Qualität der Aussagen in Vernehmungen steigern.
Ein Blick in die Zukunft
Die Möglichkeiten, Therapiehunde in der Justiz einzusetzen, sind vielversprechend. In den letzten Jahren gab es bereits einige Erfolge, doch das System hat noch Verbesserungspotenzial. Die Entscheidung über die Zulassung der Hunde liegt nach wie vor beim Richter, was zu einer gewissen Ungewissheit führen kann. Während in Ländern wie den USA Hunde bereits seit Jahren in Gerichtssälen eingesetzt werden, ist Deutschland noch auf dem Weg, die Optionen für Opfer, insbesondere für Kinder, zu erweitern.
Katja Holl und Gesine Kessler, eine weitere Verfahrensbeiständin, freuen sich über die positiven Rückmeldungen zu den Einsätzen mit Lila. So berichtet Holl, dass viele Erwachsene von der entspannenden Wirkung des Hundes auf die Kinder begeistert sind. „Wir haben das Gefühl, dass wir mit der Hilfe unserer Therapiehunde einen wichtigen Beitrag leisten können“, so Holl. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Gerichte dem Beispiel von Bad Saulgau folgen und den therapeutischen Nutzen von Hunden anerkennen.