In Bad Saulgau passiert gerade etwas Spannendes: Die 44-jährige Theresa Weitzmann hat sich in den letzten Jahren einem Thema gewidmet, das oft als Tabu gilt – dem Sterben. Nach dem Verlust ihrer Mutter im Jahr 2017 hat sie einen Weg eingeschlagen, der sowohl ihre berufliche als auch persönliche Perspektive prägte. Heute arbeitet sie als Alltagsbegleiterin in einer Wohngemeinschaft für ältere Menschen, als Trauerrednerin, Sterbeamme und seit kurzem sogar als Traurednerin. Dies alles geschieht mit einem Ziel: Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten und ihnen eine würdevolle Abschiednahme zu ermöglichen.
Theresas Weg in diese Rolle führte sie von einer ganz anderen Welt. Ursprünglich startete sie ihre Karriere als Kosmetikerin in einem Nagelstudio. Hier begann sie, neben der Schönheitsbehandlung auch Lebensberatung anzubieten. Der Wendepunkt kam mit der Erkrankung ihrer Mutter an Krebs, die sie dazu bewog, eine Weiterbildung zur Betreuungskraft zu machen. Jene Zeit im Pflegeheim gab ihr die Chance, den Umgang mit dem Thema Tod vertraut zu werden. Nach dem Tod ihrer Mutter wurde der Austausch über Sterben in ihrer Familie offener, was sie dazu inspirierte, Beerdigungsreden zu schreiben und ihre Worte den Trauernden zu widmen. Ihre Reden basieren auf tiefgehenden Gesprächen mit den Angehörigen, wodurch sie persönliche Geschichten und Erinnerungen gekonnt in Szene setzt.
Ein Platz für das Sterben schaffen
Als Sterbeamme leistet Theresa Weitzmann seelische Unterstützung in Übergangsphasen und bereitet Sterbende auf ein selbstbestimmtes Ende vor. Dies geschieht in einem vertraulichen Rahmen, sei es am Bett, am Küchentisch oder in ihrer Praxis. Laut der Webseite sterbeamme.coach kommt es in der Gesellschaft oft zu einer Vernachlässigung der Vorbereitung auf das Lebensende. Hier setzt Theresa an und ermutigt dazu, die Tabuisierung des Themas abzubauen und frühzeitig Wünsche zu klären. Ziel ist, allen Beteiligten größtmöglichen Frieden zu schaffen.
Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Sterbeamme hat Theresa sich auch der Traurednerin zugewendet. Diese Tätigkeit sieht sie als eine verwandte Aufgabe an, die ebenso viel Sensibilität erfordert und sie dazu bringt, Lebensgeschichten in feierlichen Rahmen zu erzählen. Ob Sterbeamme oder Traurednerin, das Grundprinzip ist stets dasselbe: Zuhören, Erinnern und Begleiten.
Ein Weg zur inneren Freiheit
Mit einer positiven Lebenseinstellung, die Theresa an den Tag legt, steht sie auch vor Herausforderungen. Die Zahl 5, die in einem spirituellen Kontext oft mit Selbstüberwindung, Freiheit und Veränderung assoziiert wird, könnte ihr Lebensmotto sein. Veränderungen können sowohl positiv als auch negativ sein, stehen aber immer für wichtig Entscheidungen, die auf dem Herzen liegen. Die Botschaft, die aus den Zahlen 55 und 555 abgeleitet wird, ermutigt dazu, das Vergangene loszulassen und sich von den Dingen zu befreien, die einem den Weg versperren. “Man muss in Bewegung bleiben”, sagt sie immer wieder und spiegelt damit ihr eigenes Lebensgefühl wider, das auch ihre Begegnungen mit alten und jungen Menschen prägt.
Regelmäßiges Schwimmen in den Schwarzachtalseen ermöglicht Theresa, zu sich selbst zu finden und Kraft zu tanken. Nach einem Tag voller Einsichten und Begegnungen mit Menschen in Übergangsphasen ist dies für sie eine Art der Meditation. Ihre Lebensaufgabe ist klar umrissen: Menschen im Leben und im Tod zu begleiten und Platz für Erinnerungen und Abschied zu schaffen – denn wie sie sagt, ist der Tod ein ständiger Bestandteil des Lebens, der oft ignoriert wird.
Theresa Weitzmann ist nicht nur eine bemerkenswerte Frau, sondern auch eine Quelle der Inspiration für viele. Ihre Arbeit zeigt, dass es möglich ist, mit Trauer umzugehen und gleichzeitig Freude an der Verbindung zu Menschen zu empfinden – ein Balanceakt, den nicht viele meistern. Ihre Vision von einem offenen Umgang mit dem Sterben gibt vielen Hoffnung und Trost.