In der Diözese Rottenburg-Stuttgart stehen weitreichende Veränderungen an, die nicht nur die katholische Kirche in der Region, sondern möglicherweise auch den ganzen deutschen Kirchenraum betreffen werden. Auslöser sind die sinkenden Mitgliederzahlen, die sich zunehmend in einem schwindenden gesetzlichen und finanziellen Rahmen spiegeln. Der Diözesanrat hat nun eine umfassende Strukturreform ins Leben gerufen, um den Herausforderungen besser begegnen zu können. Laut Schwäbische.de werden dabei die bestehende Anzahl der Kirchengemeinden von 1.020 auf 50 bis 80 Raumschaften reduziert.
Der Fokus liegt dabei auf der Entlastung der pastoralen Mitarbeiter und Ehrenamtlichen von oft überbordenden Verwaltungsaufgaben. Der Diözesanrat hat in einer fast einhelligen Abstimmung mit nur einer Gegenstimme empfohlen, dass die Reform auch eine stärkere Einbindung von Laien als Pfarrbeauftragte in die neuen Raumschaften umfassen soll. Bischof Klaus Krämer sprach sich klar für die Beibehaltung des gemeindlichen Lebens aus, betonte jedoch, dass die Kirche ein neues Gesicht bekommen wird, wie auch Weihbischof Matthäus Karrer bestätigte.
Dringender Handlungsbedarf
Wie Domradio berichtet, sind die Gründe für die Reform vielschichtig: sinkende Mitgliederzahlen, ein Mangel an Seelsorgepersonal und ein untragbarer Zustand vieler Kirchengebäude. Von den etwa 1,57 Millionen Katholiken in der Diözese besuchen lediglich 9,8% sonntags die Gottesdienste. Diese Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf. Die Reform soll bis 2030 abgeschlossen sein und wird die Kirchengemeinderäte in den neuen Einheiten neu wählen lassen.
Ein weiterer Aspekt der Reform ist die Reduzierung der beheizten Flächen und Gebäude um etwa 30%. Dies dient nicht nur der Kostenkontrolle, sondern auch der energetischen Tragbarkeit der kirchlichen Infrastruktur.
Kritische Rahmenbedingungen in Deutschland
Doch die Veränderungen in Rottenburg-Stuttgart sind Teil eines größeren Trends. Laut Tagesschau sinkt die Zahl der Mitglieder der großen Kirchen in Deutschland weiter, auch wenn der Rückgang der Kirchenaustritte leicht gebremst wurde. Ende 2024 gehörten noch 19,8 Millionen Menschen zur katholischen Kirche, ein Rückgang von über einer Million innerhalb eines Jahres. Dieser Trend zeigt sich unter anderem in einer abnehmenden Anzahl von Taufen und Hochzeiten, die auch 2024 weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau liegen.
Die katholische Kirche steht vor der Herausforderung, sich an die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen, während der Mitgliederschwund gleichzeitig die finanzielle Basis gefährdet. Der Prozess „Kirche der Zukunft“ hat das Ziel, mit diesen Herausforderungen kreativ umzugehen und gleichzeitig Traditionen zu bewahren.
Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, wie sich die geplanten Reformen auf das kirchliche Leben auswirken werden und ob es der Diözese gelingt, die Gläubigen trotz dieser Herausforderungen an sich zu binden.