Nach langen und teilweise schwierigen Verhandlungen ist der Tarifstreit im öffentlichen Dienst der Länder endlich beendet. Die Gewerkschaften und Arbeitgeber haben sich auf eine Einigung geeinigt, die für etwa 925.000 Beschäftigte in Deutschland erhebliche finanzielle Verbesserungen mit sich bringt. Die Beschäftigten werden in drei Stufen insgesamt 5,8 Prozent mehr Gehalt erhalten, wobei die Laufzeit des neuen Tarifvertrags 27 Monate beträgt und bis zum 31. Januar 2028 gilt. Die erste Erhöhung von 2,8 Prozent oder mindestens 100 Euro erfolgt bereits am 1. April 2026, gefolgt von einer weiteren Erhöhung um 2,0 Prozent am 1. März 2027 und einer abschließenden Erhöhung um 1,0 Prozent am 1. Januar 2028. Auch Nachwuchskräfte profitieren von dieser Einigung, da ihre Entgelte um insgesamt mindestens 150 Euro steigen werden.
Die Neuigkeiten wurden am Samstagmorgen in Potsdam bekannt gegeben und kamen nach intensiven Verhandlungen, in denen die Gewerkschaften ursprünglich eine Lohnerhöhung von sieben Prozent und mindestens 300 Euro mehr im Monat gefordert hatten. Die Arbeitgeber-Tarifgemeinschaft (TdL) hatte zuvor ein Angebot von „mehr als fünf Prozent“ unterbreitet. Die Verhandlungen wurden von Verdi-Verhandlungsführer Frank Werneke als sehr schwierig beschrieben, aber letztlich konnte ein Kompromiss gefunden werden, der Planungssicherheit für die Länder bis 2028 bietet. Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) bestätigte, dass der Abschluss eine Mehrbelastung von rund 3,6 Milliarden Euro für den Landeshaushalt von 2026 bis 2028 zur Folge hat.
Reaktionen und Auswirkungen
Die Reaktionen auf die Einigung sind überwiegend positiv. In Baden-Württemberg äußerte sich Maike Schollenberger von ver.di begeistert über die Reallohnsteigerungen und den Mindestbetrag, während Danyal Bayaz, der Finanzminister von Baden-Württemberg, den Abschluss als fairen Kompromiss bezeichnete. Nicolas Fink (SPD) bezeichnete den Tarifabschluss als gute Nachricht für Staatsbedienstete und die Allgemeinheit. Doch nicht alle Stimmen sind einhellig: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte das Fehlen von Regelungen zur Höhergruppierung und einer Paralleltabelle für angestellte Lehrkräfte.
Mit diesem Tarifabschluss werden auch die Arbeitsbedingungen im Osten Deutschlands den Regelungen im Westen angeglichen. So gibt es Verbesserungen beim Kündigungsschutz und eine Absenkung der Arbeitszeit an drei ostdeutschen Unikliniken in Rostock, Greifswald und Jena. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen Plans zur Stärkung des öffentlichen Dienstes, wie CDU-Landeschef Manuel Hagel betonte, der auch die Bedeutung der Nachwuchsgewinnung hervorhob.
Finanzielle Herausforderungen für die Länder
Die Einigung bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Die Landesregierung hat bereits Vorsorge im laufenden Doppelhaushalt getroffen, um die finanziellen Auswirkungen abzufedern. Zukünftige Haushalte müssen die Mehrkosten weiterhin finanzieren, was den finanziellen Spielraum der Länder einschränken könnte. In Baden-Württemberg sind rund 84.000 tariflich Beschäftigte, etwa 194.000 Landesbeamte sowie 154.000 Versorgungsempfänger von dieser Einigung betroffen.
Insgesamt stellt diese Einigung einen wichtigen Schritt in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Einkünfte im öffentlichen Dienst dar. Die Verhandlungen waren geprägt von einem ständigen Balanceakt zwischen den Forderungen der Beschäftigten und den finanziellen Möglichkeiten der Länder, und die erzielte Einigung wird sowohl von Gewerkschaften als auch von politischen Vertretern als Zeichen für eine positive Entwicklung im öffentlichen Dienst angesehen. Weitere Informationen finden Sie in den Quellen: Tagesschau, Zeit und ZDF.