In Tübingen wird es diesen Februar besonders festlich zugehen, denn Cem Özdemir, der grüne Spitzenkandidat und ein bekanntes Gesicht der politischen Landschaft, tritt vor den Traualtar. Seine Hochzeit mit der Partnerin Flavia Zaka findet in einer Zeit voller politischer Bewegung und Vorbereitungen auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt. Boris Palmer, der parteilose und ehemalige Grüne, wird als Standesbeamter fungieren, was sicherlich für zusätzliche Schlagzeilen sorgt. Staatsanzeiger berichtet.

Im Umfeld dieser Feierlichkeiten gibt es allerdings auch eine gewichtige Randnotiz: Winfried Kretschmann, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hätte den Bräutigam persönlich zum Altar führen sollen. Jedoch wird er an diesem Tag seine Goldene Hochzeit in Sigmaringen feiern, wo traditionsgemäß der Fasnetsbrauch „bräuteln“ praktiziert wird. Kretschmann kann also nicht teilnehmen, was das Fest etwas bittersüß macht. Die Esslinger Zeitung berichtet.

Ein besonderes Ereignis im Wahlkampf

Die standesamtliche Trauung von Özdemir und Zaka fällt genau in die heiße Phase des Wahlkampfs, was viele politische Reaktionen hervorruft. Manuel Hagel von der CDU hat bereits Glückwünsche ausgesprochen und wünscht dem Paar alles Gute für die gemeinsame Zukunft. Gleichzeitig setzt sich Andreas Stoch von der SPD für die Hochzeit ein und sieht darin eine positive Signalwirkung im Wahlkampf.

Anders sieht dies Hans-Ulrich Rülke von der FDP, der mit einem augenzwinkernden Kommentar darauf hinweist, dass viele Menschen Boris Palmer nicht als Standesbeamten wählen würden, wenn sie es still und heimlich halten wollten. Ein Hauch von Ironie weht also durch die politische Debatte rund um das Hochzeitsevent, das nicht nur privat, sondern auch öffentlich stark beachtet wird. Staatsanzeiger hat die Reaktionen festgehalten.

Zivilehe und ihre wechselvolle Geschichte

Die Zivilehe ist in Deutschland bereits seit 150 Jahren der Standard für Eheschließungen und hat eine bewegte Geschichte. Nur eine standesamtlich geschlossene Ehe hat rechtliche Wirkung, was seit der Einführung des entsprechenden Gesetzes 1874 gilt. Diese grundlegende Regelung war im Rahmen des Kulturkampfs unter Otto von Bismarck eingeführt worden, auch um kirchlichen Einfluss auf die Ehe abzubauen. Mehr dazu auf der Kirchenzeitung.

Das Eherecht hat sich seitdem drastisch verändert. So heirateten 2021 nur noch 16 Prozent der Paare kirchlich, was die Verschiebung hin zur Zivilehe nochmals unterstreicht. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich gewandelt; mittlerweile gibt es Diskussionen über neue Lebensgemeinschaften, die rechtliche Sicherheit bieten sollen, wie etwa die angestrebte „Verantwortungsgemeinschaft“ von den Ampelparteien.

Während all diese Veränderungen die traditionellen Vorstellungen von Ehe hinterfragen, bleibt die bevorstehende Hochzeit von Cem Özdemir und Flavia Zaka ein bundesweites Gesprächsthema und könnte die öffentliche Sicht auf die Ehe erneut beeinflussen. Ein Anlass, der nicht nur die Herzen höherschlagen lässt, sondern auch noch die politischen Wogen schlägt.