In einer ungewöhnlichen Entdeckung an der Eberhard Karls Universität Tübingen wurden Exemplare der Chilenischen Einsiedlerspinne (Loxosceles laeta) in einem nicht öffentlich zugänglichen Kellerraum des Hörsaalzentrums Morgenstelle gefunden. Diese Spinne, die ursprünglich in Südamerika beheimatet ist, ist für ihren potenziell gefährlichen Biss bekannt. Am 10. November 2025 wurde die Entdeckung von Zoologe Hubert Höfer offiziell gemeldet, nachdem ein Uni-Mitarbeiter eine Spinne eingefangen hatte. Insgesamt wurden rund 20 Tiere in diesem Kellerraum gesichtet. Am 18. November 2025 fanden weitere Entdeckungen auf dem Campus Tal und in anderen Bereichen der Morgenstelle statt. Die Universität informierte daraufhin alle Beschäftigten sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das Regierungspräsidium, das Landratsamt und die Stadt Tübingen über den Vorfall.

Die Chilenische Einsiedlerspinne ist nicht nur interessant wegen ihrer Herkunft, sondern auch aufgrund ihrer spezifischen Merkmale. Sie hat eine Körperlänge zwischen 9 und 12 mm, wobei die Färbung von hellgelb bis orange oder rötlichbraun reicht. Der Hinterleib ist grau bis weiß. Das auffälligste Merkmal sind die sechs kleinen Augen, die in drei Gruppen angeordnet sind. Diese Spinne ist nachtaktiv und menschenscheu, was bedeutet, dass sie in der Regel nicht aggressiv ist, aber ihr Biss kann ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Tatsächlich zeigt eine Studie aus Brasilien, dass das Risiko von Nekrosen bei Bissopfern um 30 % verringert werden kann, wenn binnen 48 Stunden ein Gegenmittel verabreicht wird.

Die Gefahren des Bisses

Das Gift der Chilenischen Einsiedlerspinne kann von leichten Hautläsionen bis hin zu schwerem Loxoscelismus führen, was Organschäden zur Folge haben kann. Lokale Symptome eines Bisses sind Rötung, Juckreiz, Schmerzen und Schwellungen, während systemische Symptome Fieber, Übelkeit, Anämie und sogar Nierenversagen umfassen können. Bei Verdacht auf einen Biss ist es wichtig, die betroffene Stelle zu kühlen und schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen. Erste Hilfe umfasst das Waschen der Wunde und das Besuchen eines Arztes zur weiteren Behandlung.

Die Spinne lebt bevorzugt in dunklen, trockenen Ecken und ist scheu, weshalb sie häufig in städtischen Gebieten, wie in Chile, in etwa 40 % der Haushalte nachgewiesen wird. Ihr Lebensraum erstreckt sich über ganz Amerika und sie wurde sogar in einigen Regionen Spaniens gesehen. Angesichts der Globalisierung, der Warentransporte und des Klimawandels wird vermutet, dass diese Spinnenart auch nach Tübingen gelangt ist. Hubert Höfer, der die Spinnen identifizierte, vermutet, dass sie möglicherweise als blinde Passagiere in Exportgütern in die Universität verschleppt wurden.

Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung

Die Universität hat bereits Maßnahmen zur Bekämpfung der Spinnen eingeleitet, darunter den Einsatz von Klebefallen. Es wird empfohlen, die betroffenen Bereiche gründlich zu reinigen und auf dunkle, trockene Verstecke zu achten. Hygienemaßnahmen, wie das regelmäßige Reinigen von Kleidung und Textilien, sind entscheidend, um das Risiko eines Bisses zu minimieren. Experten für Arachnologie oder Schädlingsbekämpfung sollten konsultiert werden, um die Tiere korrekt zu identifizieren und potenzielle Gefahren zu erkennen.

Die Chilenische Einsiedlerspinne gilt als eine der gefährlichsten Spinnenarten weltweit. Zwischen 1985 und 1995 wurden in Chile 43 Todesfälle durch Spinnenbisse dokumentiert, was die Ernsthaftigkeit der Situation unterstreicht. Mit einer Sterblichkeit von 3 bis 4 % bei Bissunfällen ist es wichtig, die Gefahren ernst zu nehmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Während die Universität Tübingen die Situation überwacht, bleibt abzuwarten, wie lange diese Spinnen bereits in den Kellerräumen leben und ob weitere Exemplare gefunden werden.

Für weitere Informationen über die Chilenische Einsiedlerspinne können Sie die ursprüngliche Quelle sowie die zweite Quelle besuchen.