In Tübingen sorgt ein ungewöhnlicher Fund für Aufregung: In mehreren Kellern der Universität wurden Exemplare der Chilenischen Einsiedlerspinne (Loxosceles laeta) entdeckt. Diese Spinnenart ist ursprünglich aus Südamerika und in Europa seit den 1960er Jahren bekannt. Der erste Fund wurde Anfang November von Biowissenschaftler Hubert Höfer gemacht, als er eine Spinne in einem nicht öffentlich zugänglichen Kellerraum eines Hörsaalzentrums entdeckte. Seitdem wurden auch weitere Exemplare sowohl auf dem Campus Morgenstelle als auch auf dem Campus Tal festgestellt. Dabei bleibt unklar, wie viele Spinnen sich tatsächlich in den Kellern aufhalten und seit wann sie dort leben, wie suedwest24.de berichtet.

Um das Vorkommen der Spinnen genauer zu beobachten, hat die Universität Klebefallen ausgelegt. Darüber hinaus wurden alle Nutzer des betroffenen Bereichs über den Fund informiert und erhalten nun Hinweise zu Vorsichtsmaßnahmen. Wichtig zu wissen ist, dass die Chilenische Einsiedlerspinne in der Regel nicht aggressiv ist und menschenscheu lebt. Ein Biss kann jedoch zu Gewebeschäden führen, weshalb im Verdachtsfall eine ärztliche Behandlung erforderlich ist, wie uni-tuebingen.de erklärt.

Maßnahmen und Ausbreitung

Trotz der auftretenden Spinnen ist bisher keine Ausbreitung über die Kellerräume hinaus festgestellt worden. In angrenzenden Bereichen wurden keine weiteren Tiere entdeckt, was die Situation vorerst beruhigt. Hubert Höfer vermutet, dass die Spinnen unbeabsichtigt in Kisten transportiert wurden. Da sie in ihrer Heimat oft in Haushalten leben, ist ein Auftreten in einem universitären Umfeld nicht überraschend. Dennoch handelt es sich um einen weiteren Hinweis darauf, wie die Globalisierung, Warentransporte und der Klimawandel zum Eindringen neuer Arten in andere Lebensräume beitragen können.

Die Chilenische Einsiedlerspinne ist nicht die einzige Art, die in Europa Einzug gehalten hat. Laut dem WWF haben sich seit einiger Zeit weltweit über 37.000 gebietsfremde Arten etabliert, darunter auch etwa 1.015 in Deutschland. Von diesen gelten 107 Arten als invasiv, das bedeutet, sie bedrohen native Arten und Ökosysteme. Besonders durch die Klimakrise wird mit einer verstärkten Ausbreitung und Etablierung nicht heimischer Arten gerechnet. Mit diesen Herausforderungen sieht sich nicht nur Tübingen, sondern ganz Deutschland konfrontiert, wie wwf.de berichtet.

Die Universität Tübingen hat bereits Maßnahmen zur Bekämpfung der Spinnen in Abstimmung mit Experten des Staatlichen Naturkundemuseums Karlsruhe eingeleitet. Es bleibt zu hoffen, dass die Situation effektiv unter Kontrolle gebracht werden kann, damit die Spinnen kein größeres Problem darstellen.