Am 6. November 2025 wird in Tübingen ein wichtiges Gedenken an die Pogromnacht von 1938 zelebriert. An diesem Tag laden engagierte Bürger:innen und Antifa-Gruppen zu einem Gedenkspaziergang ein, der beim Linken Zentrum Trude Lutz beginnt. Ziel ist die gemeinsame Reinigung der Stolpersteine, die an jüdische Mitbürger:innen erinnern, welche während des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Dieser Gedenktag fällt auf den 87. Jahrestag der Pogromnacht, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich unsägliches Leid brachte.

Für viele Tübinger ist es eine Herzensangelegenheit, die Erinnerung wach zu halten. Während eines solchen Gedenkens wird an die Gewalt gegen jüdische Menschen erinnert, die in der besagten Nacht ihren traurigen Höhepunkt fand, als über 1.400 Synagogen niedergebrannt und geschätzt 30.000 jüdische Männer verhaftet wurden. Unter ihnen waren auch fünf Tübinger Jüd*innen, die nach Dachau verschleppt wurden, wo zwei von ihnen ihr Leben lassen mussten. Das Gedenken an die Opfer des deutschen Faschismus ist also mehr als nur eine symbolische Geste; es ist Teil einer aktiven antifaschistischen Praxis, die wir alle ernst nehmen sollten.

Ein Blick zurück in die Geschichte

Anlässlich des bevorstehenden Gedenktags hat die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem seltene Fotoaufnahmen veröffentlicht, die die Gräueltaten jener Nacht dokumentieren. Diese Aufnahmen zeigen SS- und SA-Männer beim Plündern jüdischen Eigentums sowie der Zerstörung von Häusern. Diese Fotos, die nun im Archiv von Yad Vashem zur Verfügung stehen, wurden zuvor von einem amerikanischen Soldaten gefunden, der während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland diente. Sie sind nicht nur ein Beweis für das organisierte und systematische Vorgehen der Nationalsozialisten, sondern auch für die tiefverwurzelte Gewalt, die zu den Morden des Holocausts führte, bei denen insgesamt sechs Millionen Juden ihr Leben verloren.

Jonathan Matthews, Leiter der Fotoabteilung von Yad Vashem, hebt hervor, dass diese Dokumente klarmachen, dass die Gewalt kein zufälliges Ereignis war, sondern von den jeweiligen Machthabern organisiert wurde. So wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ganz Deutschland und Teilen Österreichs nicht nur in Tübingen die Zerstörung jüdischer Einrichtungen inszeniert, sondern auch die Grundlage für das gesamte Schreckensregime des Holocausts gelegt. Diese Geschichten aus der Vergangenheit erfordern von uns, aktiv zu bleiben, um eine Wiederholung solcher Gräueltaten zu verhindern.

Gemeinsam für ein Zeichen der Erinnerung

In einer Zeit, in der das Bewusstsein für die Vergangenheit oft schwindet, ist es umso wichtiger, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen. Die Stolpersteine, die in vielen Städten verlegt sind, sollen uns immer an die Schicksale dieser Menschen erinnern. Am 6. November haben die Bürger:innen von Tübingen die Möglichkeit, ein Zeichen der Solidarität und des Gedenkens zu setzen. Denn nur durch aktives Erinnern können wir verhindern, dass sich solche Gräueltaten jemals wiederholen.

Der Gedenkspaziergang wird nicht nur eine Gelegenheit zum Gedenken sein, sondern auch ein Raum für Diskussionen über Antisemitismus und Faschismus in der heutigen Zeit. Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen und dem Vergessen entgegenzuwirken. Engagieren Sie sich an diesem Tag, um gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus und das Vergessen zu setzen.