In der Region Tübingen sorgt die Situation in den Kinderkliniken für Besorgnis unter Eltern. Die Online-Bewertungen der Kinderklinik am Reutlinger Klinikum offenbaren emotionale Perspektiven und kritische Stimmen. Eine Ein-Sterne-Bewertung hebt eine vierstündige Wartezeit bei Verdacht auf Blinddarmentzündung hervor, während eine andere Bewertung bemängelt, dass trotz weniger Patienten lange Wartezeiten bestehen. Diese Probleme werden durch Berichte des Klinikpersonals ergänzt, das darauf hinweist, dass Eltern mit Bagatellfällen die Wartezeiten unnötig verlängern. Dr. Bianca Haase, Chefärztin der Reutlinger Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, beschreibt die Situation als eine Art „Unbeholfenheit“ seitens der Eltern, die bei geringfügigen Beschwerden Hilfe suchen, während sie bei ernsthaften Warnzeichen oft zu spät reagieren.

Die fehlende Orientierung und das mangelnde Erfahrungswissen in vielen Familien werden als zentrale Probleme identifiziert. Auch Dr. Oliver Heinzel, ärztlicher Leiter der pädiatrischen Notaufnahme an der Uniklinik Tübingen, beobachtet, dass gerade in Abend- und Nachtstunden viele Eltern die Notaufnahme aufsuchen, obwohl die Beschwerden am nächsten Tag in einer kinderärztlichen Praxis behandelt werden könnten. Hierbei werden Notfälle sofort versorgt, während leichtere Beschwerden längere Wartezeiten nach sich ziehen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wird an der Uniklinik die Aufklärung der Eltern über Notaufnahmen und Alternativen betont. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat reagiert und bietet mit „docdirekt.de“ ein Telemedizinangebot an, das Eltern helfen soll, zu klären, ob ein Arztbesuch notwendig ist. Die KVBW spricht zudem von einer hohen Auslastung der Kinderbereitschaftspraxen und Ambulanzen in Kliniken, was die Unsicherheit der Eltern bei Beschwerden von Kindern als zunehmendes Problem offenbart.

Telemedizin als Lösung?

Ein vielversprechender Schritt zur Verbesserung der Situation ist die geplante Kooperation zur telemedizinischen Versorgung von Kindernotfällen, die ab Januar 2025 in Kraft treten soll. In der Ebersberger Notaufnahme werden Kinder dann rund um die Uhr von Experten der Kinderklinik Schwabing betreut. Ziel dieser Initiative ist es, Versorgungslücken in der Notfall- und Akutmedizin für nicht lebensbedrohlich erkrankte Kinder zu schließen. Oftmals suchen Eltern Notaufnahmen auf, wenn Kinderärzte nicht erreichbar sind und keine Pädiater vor Ort sind. Im Jahr 2024 wurden bereits über 3.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in der Ebersberger Notaufnahme versorgt, was 10% aller Fälle ausmacht.

Mit der Einführung von TelEmergency Kids wird eine Videoschalte (Telekonsil) mit einem kinderärztlichen Notfallmediziner aus der München Klinik Schwabing ermöglicht. Die Entscheidung über die Behandlung erfolgt dann gemeinsam mit dem Arzt vor Ort und den Eltern. Mögliche Entscheidungen reichen von sofortiger Verlegung über Behandlung vor Ort bis hin zu ambulanter Weiterbetreuung. Diese digitale Konsultation verspricht nicht nur eine Vermeidung unnötiger Fahrtstrecken und Verlegungen, sondern auch eine Reduzierung von Wartezeiten sowie eine Stressreduktion für Eltern und Kinder. Das Personal beider Notaufnahmen profitiert zusätzlich von den direkten Einschätzungen vor Ort, was die Versorgungsqualität weiter erhöhen könnte.

Fazit und Ausblick

Die Herausforderungen in der kinderärztlichen Versorgung sind vielschichtig und betreffen sowohl Eltern als auch medizinisches Personal. Die Kombination aus Aufklärung und telemedizinischen Angeboten könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, um die Unsicherheit der Eltern zu verringern und die Wartezeiten in den Notaufnahmen zu reduzieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, doch die laufenden Initiativen bieten Hoffnung auf eine Verbesserung der aktuellen Zustände in der Region. Für mehr Informationen zu den aktuellen Entwicklungen sei auf die Berichterstattung bei gea.de und die München Klinik verwiesen muenchen-klinik.de.