In einer bemerkenswerten Maßnahme hat die Stadt Tübingen das Ausländeramt für eine Woche geschlossen, um den ständig wachsenden Antragsstau zu bearbeiten. Die Bürger:innen der Stadt stehen vor einem Berg an Anträgen, der sich über Monate, manchmal sogar Jahre erstreckt. Im Fokus steht dabei das Ehepaar R. aus Bayern, das seit über 18 Monaten auf die Entscheidung über ihren Antrag auf die deutsche Staatsangehörigkeit wartet. Laut Bild gibt es insgesamt eine hohe Zahl an Anträgen bei Ausländerbehörden in Deutschland, was zu erheblichen Verzögerungen führt. Auch in Tübingen ist die Zahl der Anträge durch die Zuwanderung stark gestiegen, und die Stadt verzeichnete zuletzt 188 Fälle, bei denen die Bearbeitungsfristen überschritten wurden.
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat die Schließung des Amtes initiiert, um den Antragsstau zu beseitigen und komplexe Fälle abzuarbeiten. Während dieser Woche liegt der Fokus darauf, Anträge zur Arbeitsaufnahme vorrangig zu bearbeiten, während weniger dringliche Anliegen etwas länger auf ihre Erledigung warten müssen. Tatsächlich wurde nach nur einer Woche die Zahl der Fälle mit überschrittener Frist auf 87 reduziert, was die Effizienz dieser Maßnahme unterstreicht.
Maßnahmen zur Digitalisierung
Zusätzlich zur Schließung des Ausländeramtes hat sich seit dem 1. Mai 2025 ein neues System zur Erstellung von Lichtbildern etabliert. Nun dürfen nur noch digitale, biometrische Fotos für Aufenthaltstitel und Reiseausweise verwendet werden. Diese können entweder in zertifizierten Fotostudios erstellt oder vor Ort über ein Lichtbilderfassungssystem selbstständig gemacht werden. Der Preis für ein solches Lichtbild beträgt 6,00 Euro. Diese neuen Regelungen sollen dazu beitragen, den Ablauf in den Ämtern zu straffen und die Bearbeitungszeiten zu verkürzen, wie Kreis Tübingen berichtet.
Ein weiterer positiver Aspekt der Digitalisierung: Ab sofort ist auch ein Direktversand von Ausweisdokumenten nach Hause möglich, was den Bürgerservice erheblich erleichtert. Wichtig ist jedoch, dass Anliegen im Zusammenhang mit dem elektronischen Aufenthaltstitel nur nach vorheriger Terminvereinbarung bearbeitet werden können. Dies wurde eingeführt, um lange Wartezeiten zu vermeiden, und erweist sich als praktisch für die rund 12.000 ausländischen Mitbürger, die im Zuständigkeitsbereich der Ausländerbehörde leben.
Ausblick auf die Zukunft
Nach der positiven Resonanz auf die Schließwoche hat Palmer sogar angekündigt, dass diese Maßnahme bei Bedarf wiederholt werden könnte. Dies zeigt, dass die Stadt Tübingen bestrebt ist, die Bearbeitung der Anträge zu optimieren und den Bürger:innen einen schnelleren Service zu bieten.
Zusammengefasst stehen die Zeichen in Tübingen auf Fortschritt, sowohl hinsichtlich der Bearbeitung von Anträgen als auch in der Digitalisierung der Dienstleistungen. Es bleibt abzuwarten, wie diese Maßnahmen die Zukunft der Ausländerbehörden prägenden werden.