In Tuttlingen geht die 62-jährige Gabriele Nenovici nach ihrer Arbeit im Krankenhaus Geriatrie und Pflege nicht nach Hause, sondern zu ihren eigenen, pflegebedürftigen Eltern. Ihr engagiertes Leben als Berufstätige und Pflegekraft für ihre 86-jährigen Eltern, Josef und Maria Hamesz, ist ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist. Gabriele hat ihre Arbeitszeit auf 60 % reduziert, um genügend Zeit für die Bedürfnisse ihrer Eltern zu haben, die beide pflegebedürftig sind. Während ihre Mutter Pflegestufe drei hat, erhält ihr Vater Hauszustand zwei.
„Da liegt was an“, hat sich Gabriele gedacht und daraufhin verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch genommen. Ihr Arbeitgeber, das Kreisklinikum Tuttlingen, bietet ein umfassendes Leistungspaket zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege an, inklusive flexibler Arbeitszeitmodelle und Beratungsangebote. Mit solch einem Rahmen fühlt sich Gabriele gut unterstützt und wertgeschätzt in ihrem Doppelalltag zwischen Krankenhaus und Häuslichkeit.
Gesetzliche Unterstützung für Pflegende
Ein neuer Gesetzesentwurf zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf wurde von der Bundesregierung verabschiedet. Wie die Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berichten, gewährt dieses Gesetz pflegenden Angehörigen mehr Flexibilität und Individualität in der Pflege. Ein zentraler Bestandteil sind auch Freistellungsmöglichkeiten für berufstätige pflegende Angehörige, welche in einer Broschüre ausführlich beschrieben werden. Diese Informationen sind wichtig für alle Beschäftigten, die nahe Angehörige in der eigenen Familie betreuen müssen.
Gabriele hat Glück, dass sie bereits über eine Weiterbildung in Geriatrie verfügt und sich bestens mit der Versorgung älterer Menschen auskennt. Doch wie lässt sich die Pflege so gestalten, dass man zuzätzlich auch im Job bestehen kann? Die Verbraucherzentrale hält für solche Situationen die richtigen Tipps bereit. Bei plötzlicher Pflegebedürftigkeit können Arbeitnehmer sogar bis zu 10 Tage von der Arbeit freigestellt werden, wenn die Situation akut und unerwartet auftritt.
Tipps zur Pflege und Beruf
Für Gabriele sind Wege zur Pflege und Beruf von zentraler Bedeutung. Zu den Anspruchsvoraussetzungen gehört, dass die Pflegebedürftigkeit mindestens den Pflegegrad 1 erreichen muss und der Antragsteller ein naher Angehöriger ist. Arbeitnehmer dürfen sich nicht scheuen, diese Ansprüche geltend zu machen und sich im Bedarfsfall rechtzeitig über die Möglichkeiten der Pflegezeit zu informieren. Diese erlauben es, bis zu 6 Monate vollständig oder teilweise aus dem Job auszusteigen, um einen Angehörigen zu pflegen.
Doch es gibt noch mehr: Sogar eine besondere Pflegezeit für die Begleitung in der letzten Lebensphase wird angeboten. Ganz ohne Pflegegrad und Anspruch auf Rückkehr in den alten Job erhöhen diese Optionen den Handlungsspielraum für pflegende Angehörige.
Gabriele wird im November 2025 eine vierwöchige Auszeit vom Klinikbetrieb einlegen, um sich zu erholen und neue Energie zu tanken. Dass auch ihr Mann Franz, seit einem Jahr im Ruhestand, sie tatkräftig unterstützt, ist ein weiterer Lichtblick in ihrem durchgetakteten Leben und zeigt, wie wichtig familiäre Unterstützung ist. Gabriele engagiert sich zudem als Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Bethausen und organisiert alle zwei Jahre ein Treffen für die Landsmannschaft der Banater Schwaben. Ihr frohes Gemüt und die soziale Verpflichtung machen sie zu einer wahren Heldin der Pflege.
Wer mehr über die gesetzlichen Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige erfahren möchte, kann sich auf den Webseiten der Bundesregierung informieren oder auf die Angebote der Verbraucherzentrale zurückgreifen. Alles zusammen macht die Herausforderung, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bringen, ein Stück weit einfacher.
Für Gabriele Nenovici ist es nicht nur eine Frage des Pflichtbewusstseins, sondern auch eine Herzensangelegenheit, die Pflege ihrer Eltern zu übernehmen. Und sie ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie man trotz der Herausforderungen im Alltag, mit einer Portion Organisationstalent und Unterstützung von Arbeitgeber und Familie, aus beiden Lebensbereichen das Beste herausholen kann.
Weitere Informationen sind unter Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Verbraucherzentrale erhältlich.