In der kleinen Gemeinde Liptingen, unweit von Tuttlingen, leben Margit und Gerhard K. seit 30 Jahren in einem ganz besonderen Zuhause: einem ökologisch gebauten Lehmhaus. Dieses Einfamilienhaus, das sie 1994 errichtet haben, gilt als Pionierprojekt im Bereich des ökologischen Bauens. Inspiriert von einem Architekten, der in einem Lehmhaus lebte, entschieden sich die beiden für nachhaltige Materialien und ein Baukonzept, das auf den natürlichen Baustoff Lehm setzt. Das Ergebnis? Ein chemiefreies Wohnen mit emissionsarmer Herstellung und einem bemerkenswerten Raumklima.

Lehmwände, wie sie in dem Haus von Margit und Gerhard K. zum Einsatz kommen, sind diffusionsoffen und können Feuchtigkeit aufnehmen sowie abgeben, was für ein angenehmes Raumklima sorgt. Die hohen Wärmespeicherkapazitäten des Lehms gewährleisten, dass das Haus im Sommer kühl und im Winter warm bleibt. Das Bauwerk selbst kombiniert ein Fachwerkgerüst aus Nadelholz mit ungebrannten Backsteinen und Holzlehmsteinen, während zwischen den Wänden Schilfmatten zur Isolierung dienen. Innenräume sind mit Lehminnenputz und Kaseinfarbe gestaltet. Einzig der Schwedenofen, der in ihrem Wohnraum steht, ist aus handelsüblichen Materialien und passt nicht ganz ins ökologische Konzept.

Die Vorteile von Lehm als Baustoff

Die Nachfrage nach Lehm als Baustoff nimmt zu, wie Tim Wiethaler von Baunetz Naturbaustoffe berichtet. Trotz der Tatsache, dass Lehm in Deutschland nur 4,5 % der verwendeten Baustoffe ausmacht, verzeichnete das Unternehmen 2025 ein 20-prozentiges Wachstum, insbesondere bei Anfragen für Lehmputz. Gründe dafür sind das steigende Gesundheitsbewusstsein der Kunden sowie die Erkenntnis, dass Lehmprodukte weniger Energie in der Herstellung benötigen als Zement und Gips. Lehm ist lokal verfügbar, wiederverwendbar und emissionsarm, was ihn zu einem umweltfreundlichen Baustoff macht.

Besonders hervorzuheben ist, dass Lehm nicht nur für ein gesundes Wohnklima sorgt, sondern auch akustische Vorteile bietet, indem er Geräusche dämpft. Die Oberflächen können dabei ganz nach Belieben gestaltet werden: glatt, strukturiert oder rustikal. Allerdings erfordert der Bau mit Lehm Fachwissen, insbesondere in Bezug auf den Feuchtigkeitsschutz, da Lehm empfindlich gegenüber dauerhafter Nässe ist. In Feuchträumen wie Badezimmern sind zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig.

Nachhaltigkeit und Forschung

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) untersucht seit Jahren die Eigenschaften von Mauerwerk und Mörtel aus Lehm, um diesen Baustoff in die entsprechenden Anwendungsnormen aufzunehmen. Lehm hat eine ausgezeichnete CO2-Bilanz und ist weltweit in nahezu allen Böden verfügbar. Zudem kann er zu 100 % recycelt werden und hat einen um 85 % geringeren Primärenergiebedarf im Vergleich zu Zement. Diese Eigenschaften machen Lehm zu einem wichtigen Element nachhaltigen und klimaneutralen Bauens.

Die Forschung bei der BAM konzentriert sich auch auf die Standfestigkeit von tragenden Lehmsteinen und Mauerwerk unter verschiedenen Luftfeuchtigkeiten, wobei das Tragverhalten von Lehmmauerwerk oft mit konventionellem Mauerwerk vergleichbar oder teilweise sogar überlegen ist. Dies zeigt, dass Lehm nicht nur eine umweltfreundliche, sondern auch eine technisch verlässliche Wahl für moderne Bauprojekte darstellt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Margit und Gerhard K. mit ihrem Lehmhaus nicht nur einen persönlichen Traum verwirklicht haben, sondern auch ein Beispiel für die Vorteile ökologischen Bauens im Einklang mit der Natur setzen. Ihre Geschichte und das steigende Interesse an nachhaltigen Baustoffen wie Lehm könnten ein Anstoß für viele andere sein, ebenfalls auf ökologische Bauweisen zu setzen. Wer mehr über die Möglichkeiten des Bauens mit Lehm erfahren möchte, findet in den Quellen hier, hier und hier wertvolle Informationen.