Ein mehrjähriger Streit um eine Weihnachtskrippe im Ulmer Münster neigt sich nun dem Ende zu. Die umstrittene Darstellung des Königs Melchior hat für viel Aufregung gesorgt. Ab dem ersten Advent wird eine neue, traditionelle Krippe im Münster zu sehen sein, die die alte Krippe des Bildhauers Martin Scheible ersetzen wird. Diese Entscheidung wurde am 29. November 2025 bekannt gegeben, und die Mitteilung stammt vom evangelischen Dekanat.
Der Konflikt rund um Melchior, der seit Herbst 2020 intensiv diskutiert wurde, hat seine Wurzeln in der klischeehaften Darstellung des Königs. Mit wulstigen Lippen und Goldreifen an Ohr und Fußknöchel wurde Melchior wahrgenommen, was sowohl von Kritikern als auch von der Kirchengemeinde als unangemessen und rassistisch eingestuft wurde. Die „Scheible-Krippe“, welche seit 1992 im Ulmer Münster zu sehen war, geriet durch diese Darstellungsweise in die Schusslinie.
Überarbeitung der Krippendarstellung
Die Debatte führte dazu, dass der Kirchengemeinderat im Juni 2023 einstimmig beschloss, die „Scheible-Krippe“ an die Stifterfamilie zurückzugeben. Sie wird nun durch eine neue Krippe von Helmut Reischl ersetzt, die im Jahr 1995 entstand und aus der Region Dornstadt stammt. Diese orientalische Krippe wird auf liturgischen Gebrauch ausgerichtet sein und zeigt die biblische Szene ohne karikierende Elemente. Damit kehrt die Krippe zu einer respektvollen und authentischen Darstellung zurück.
Die neue Krippe wird nicht nur vom ersten Advent bis zum Fest Epiphanias am 6. Januar im Münster zu sehen sein, sondern ist auch eine Leihgabe des Söflinger Krippenvereins. Mit dieser Änderung hoffen die Verantwortlichen, ein Zeichen für Toleranz und Verständnis zu setzen und die Weihnachtsbotschaft auf eine Weise zu vermitteln, die alle Menschen anspricht.
Die Entscheidung zur Neugestaltung der Krippe zeigt, dass es wichtig ist, alte Traditionen zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen, um den heutigen Werten gerecht zu werden. Die evangelische Gemeinde im Ulmer Münster setzt mit dieser neuen Krippe ein klares Zeichen gegen Rassismus und für Vielfalt im christlichen Glauben.
Ein Abschied von überholten Klischees, dafür ein volles Herz für die Weihnachtsgeschichte – darauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher des Ulmer Münsters in der kommenden Adventszeit freuen.
Für nähere Informationen zu diesem Thema können Sie die Artikel von Deutschlandfunk Kultur und Katholisch.de besuchen.