Wenn der Klang der Glocken verstummt, hat das oft weitreichende Auswirkungen auf das gesellige Leben. So auch in Ulm, wo die Große Betglocke des Ulmer Münsters, der höchsten Kirche Deutschlands mit stolzen 161,5 Metern, am 24. Dezember 2025, kurz vor Weihnachten, kaputtgegangen ist. Diese Glocke, ein Wahrzeichen diakonischer Tradition, hat über die Jahrhunderte hinweg fast 200.000 Schläge pro Jahr bewältigt, insgesamt etwa 100 Millionen seit ihrem Guss im Jahr 1454. Ein handtellergroßes Stück Bronze ist an der Innenseite der Glocke abgebrochen, was zur Stilllegung durch den Glocken-Sachverständigen Martin Nußbaum führte.

Die Schäden wurden bei einer routinemäßigen Kontrolle festgestellt. Man befürchtet, dass eine weitere Untersuchung ergeben könnte, dass auch zusätzliche Schäden vorhanden sind, da die Glocke im Laufe der Zeit mehrfach gedreht wurde. Wenn man die Großen Betglocke reparieren kann, werden die Kosten auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt. In der Zwischenzeit läutet an ihrer Stelle die Landfeuerglocke dreimal täglich. Ihr höherer Klang wird von einigen Gottesdienstbesuchern als wenig vertraut empfunden.

Kulturelle Bedeutung von Kirchenglocken

Doch was steckt eigentlich hinter der Tradition der Kirchenglocken? Laut der Stiftung für das kulturelle Erbe in Deutschland macht der Anteil der Kirchenglocken etwa 85 Prozent aller deutschen Glocken aus. Diese wurden größtenteils im Auftrag von Kirchen hergestellt und erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem zu kirchlichen Anlässen. In Deutschland gibt es über 90.000 Kirchenglocken, die regelmäßig zum Einsatz kommen.

Im März 2025 wurde die Kunst des „Glockengusses und der Glockenmusik“ in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Dieser Schritt, der von Bischof Dr. Georg Bätzing positiv kommentiert wurde, soll die kulturelle Bedeutung der Kirchenglocken unterstreichen und die Tradition für zukünftige Generationen bewahren. Die Herstellungsweise der Kirchenglocken wird seit mehr als tausend Jahren im Lehmformverfahren praktiziert, eine Technik, die im 12. Jahrhundert ihren Anfang nahm.

Auswirkungen auf die Gemeinschaft

Die Absenz der Großen Betglocke wird in der Ulmer Gemeinschaft sicherlich spürbar sein. Viele Menschen haben sich an ihren vertrauten Klang gewöhnt, der tief in der Stadtgeschichte verwurzelt ist. Doch nicht nur in Ulm ist die Glockentradition von großer Relevanz; sie ist Teil der allgemeinen Lebensgestaltung, Friedensarbeit und des Brauchtums in unserer Gesellschaft. Der Klang der Glocken wird oft als ein textloser Naturton-Klang beschrieben, der Menschen aller Kulturen und Sprachen miteinander verbindet.

Nach dem Verlust des Rekordtitels für den höchsten Kirchturm der Welt an Barcelona im Oktober 2025 kann die Ulmer Gemeinschaft nur hoffen, bald wieder den vertrauten Klang ihrer Glocke zu hören. Es bleibt abzuwarten, wie die laufende Untersuchung weiter verläuft und ob die Große Betglocke bald wieder in vollem Umfang zum geschätzten Stadtklang beitragen kann.

Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen im Glockenwesen finden Sie auf den Seiten des Rincker Glockengießerei und der Stiftung Kiba.