In Amberg sorgen die lokalen Initiativen, darunter Fridays for Future Amberg und Kunterbunt, für Aufsehen. Sie haben einen offenen Brief verfasst, der 13 dringliche Forderungen an das künftige Stadtoberhaupt und den neuen Stadtrat enthält. Ziel ist es, die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Stadtentwicklung zu stellen. Die Forderungen reichen von der Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs über den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität bis hin zur Beschleunigung des Ausbaus von Photovoltaik-Anlagen. Diese Maßnahmen sind notwendig, um dem Klimaziel der Stadt, Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, gerecht zu werden.
Die Initiatoren weisen darauf hin, dass in Amberg bereits nachhaltige Projekte wie die „Grüne Hausnummer“ angestoßen wurden, jedoch stagnieren diese momentan. OB-Kandidat Tobias Winter von Die Linke kritisiert die Einschränkungen für Photovoltaik in der Innenstadt, die durch den Denkmalschutz bedingt sind. Er fordert mehr Druck zur Nutzung geeigneter Flächen und schlägt vor, öffentliche Parkplätze mit PV-Anlagen zu überdachen, um zusätzlichen Raum für erneuerbare Energien zu schaffen. Im Gegensatz dazu zeigt sich CSU-Kandidat Stefan Ott in der Altstadt aufgrund der Brandgefahr zurückhaltend, betont aber, dass der Einbau von Photovoltaik bei Neubauten bereits vorgeschrieben ist.
Öffentlicher Nahverkehr als Schlüssel zur Emissionsreduktion
Ein zentrales Anliegen des offenen Briefs ist die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Laut dem Bundesverkehrsministerium kann eine Verlagerung des Verkehrs auf den öffentlichen Personenverkehr (ÖPV), Rad- und Fußverkehr erheblich zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beitragen. Der ÖPV umfasst sowohl den Schienenpersonenverkehr als auch den öffentlichen Straßenpersonenverkehr mit Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen. In der Tat hat der ÖPV im Vergleich zum Pkw niedrigere spezifische Emissionen, was ihn zu einer umweltfreundlicheren Alternative macht.
Bund und Deutsche Bahn haben bereits massive Investitionen in die Erneuerung des Schienennetzes angekündigt, mit insgesamt 86 Milliarden Euro bis 2030. Diese Gelder fließen in Gleise, Bahnhöfe und Energieversorgungsanlagen. Außerdem sollen bis 2030 bis zu 50% der Stadtbusse elektrisch betrieben werden, was auch auf die steigenden Mittel für den öffentlichen Nahverkehr zurückzuführen ist, die von 665 Millionen Euro auf 1 Milliarde Euro jährlich erhöht wurden.
Verantwortung für zukünftige Generationen
Franz Badura von der ÖDP sieht Klimaneutralität als verbindlichen Maßstab für die Stadtentwicklung und betont die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Er unterstützt auch die Forderung nach einem Safe Space für queere Menschen in Amberg. Diese sozialen Aspekte sind entscheidend, um eine inklusive und nachhaltige Stadt zu gestalten. Winter fordert zudem, dass politische Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage getroffen werden, während Ott die Festlegung des Zieljahres als gemeinsame Aufgabe des neuen Stadtrats betrachtet und die Auswirkungen auf lokale Unternehmen nicht vernachlässigen möchte.
Es bleibt abzuwarten, wie die anderen OB-Kandidaten auf den offenen Brief reagieren werden. Der Brief wird am 28. Februar offiziell an die Stadträte und Kandidaten übergeben. Die Diskussion über die Verkehrswende und die notwendigen Schritte zur Erreichung der Klimaziele wird auch in den kommenden Jahren von zentraler Bedeutung sein. Der Verkehrssektor, der 165 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2019 ausstieß, muss bis 2030 auf 85 Millionen Tonnen gesenkt werden. Dies erfordert eine nahezu Halbierung der Emissionen innerhalb eines Jahrzehnts, was eine tiefgreifende Transformation der Mobilitätsbranche notwendig macht.
Die aktuellen Herausforderungen in der Verkehrspolitik zeigen, dass die Transformation hin zu einer nachhaltigen Mobilität nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich von Bedeutung ist. Um den Klimazielen gerecht zu werden und die Lebensqualität in den Städten zu verbessern, sind innovative Konzepte und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft unerlässlich.