In Aschaffenburg wird ein Erinnerungsort für die Opfer eines tragischen Messerangriffs im Park Schöntal geplant. Am 22. Januar 2025 griff ein afghanischer Staatsangehöriger eine Gruppe von Kleinkindern an, was zur Tötung eines zweijährigen Jungen mit marokkanischen Wurzeln und eines 41-jährigen Deutschen, der den Kindern half, führte. Zudem wurden drei weitere Personen verletzt, darunter ein zweijähriges Mädchen aus Syrien und zwei deutsche Helfer. Der Täter wurde aufgrund seiner psychischen Erkrankung für schuldunfähig erklärt und in einer forensischen Psychiatrie untergebracht. Diese schrecklichen Ereignisse haben die Stadtgemeinschaft stark erschüttert und die Notwendigkeit für einen Gedenkort deutlich gemacht, der den Opfern gedenken soll.
Der Aschaffenburger Stadtrat hat nun der bundesweiten Künstlerausschreibung für die Gestaltung dieses Erinnerungsortes zugestimmt. Die Vision hinter diesem Projekt, so Oberbürgermeister Jürgen Herzing, ist es, einen offenen Ort für Gedenken, Begegnung, Bildung und Hoffnung zu schaffen, der sich vom Tatort entfernt und nicht in Trauer erstarren lässt. Der Gedenkort soll barrierefrei und würdevoll gestaltet werden, ohne politische Instrumentalisierung. Für die Umsetzung sind 300.000 Euro eingeplant, wobei 200.000 Euro für den künstlerischen Entwurf und 100.000 Euro für weitere Maßnahmen wie die Fundamentierung, die Website und Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen sind.
Ein offener Gedenkort für die Gemeinschaft
Das Konzept für den Gedenkort legt besonderen Wert auf die Förderung von Bildung, unter anderem durch Workshops mit Schulen zu Themen wie Gewaltprävention und Zivilcourage. Diese Initiativen sollen dazu beitragen, den Zusammenhalt der Stadtgemeinschaft zu betonen und nicht Angst oder Trauer zu symbolisieren. Angehörige der Opfer wurden in die Planungen einbezogen und haben das Angebot dankbar angenommen. Die interdisziplinäre Kommission, geleitet von Oberbürgermeister Herzing und Katja Fröhlich, der Leiterin der Volkshochschule, hat das inhaltliche Konzept erarbeitet. Die Ausschreibung für die künstlerischen Entwürfe geht jetzt online, und das Gremium wird in einer ersten Runde acht Entwürfe auswählen.
Die finale Entscheidung über den ausgewählten Entwurf soll bis Ende 2025 getroffen werden, mit einer angestrebten Fertigstellung des Erinnerungsortes bis spätestens Januar 2028. Geplant ist auch die Nutzung eines QR-Codes, der zu einer Website führt, auf der Informationen über den Vorfall und die Opfer bereitgestellt werden. Diese Website wird zudem über die Planungen, Veranstaltungen und ein Spendenkonto informieren, um die Gemeinschaft aktiv einzubeziehen.
Bedeutung von Gedenkstätten für die Erinnerungskultur
Die Schaffung solcher Gedenkorte ist nicht nur in Aschaffenburg von Bedeutung. Der Bund hat die Gedenkstättenkonzeption grundlegend erneuert und am 11. November 2025 verabschiedet. Diese neue Fassung bekräftigt die Wichtigkeit von Gedenkstätten für die Erinnerungskultur und die Demokratie. Die Singularität der Schoah wird ebenso betont wie das Unrecht der SED-Diktatur. Die politische und wissenschaftliche Unabhängigkeit der Gedenkstätten wird unterstrichen, während neue Schwerpunkte in der Projektförderung definiert werden. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte ist jedoch nicht Teil der neuen Konzeption, die die Fassung von 2008 ersetzt.
Insgesamt spiegelt das geplante Erinnerungsprojekt in Aschaffenburg den Wunsch der Stadtgesellschaft wider, einen respektvollen und offenen Raum für das Gedenken zu schaffen und aus der Vergangenheit zu lernen. Es ist ein Schritt in Richtung einer positiven Auseinandersetzung mit Gewalt und eine Möglichkeit, den Opfern eine Stimme zu geben, während gleichzeitig die Gemeinschaft gestärkt wird.