Am 7. Dezember 2025 feiert die Kirche „Zur Göttlichen Barmherzigkeit“ der polnischen Gemeinde in Augsburg ein ganz besonderes Jubiläum: 30 Jahre Kirchweih. Anlässlich dieses markanten Datums konnte das Gotteshaus auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, die die deutsch-polnischen Beziehungen auf eindrucksvolle Weise widerspiegelt. Wie die Diözese Augsburg berichtet, spielt die Kirche eine zentrale Rolle im kulturellen und sozialen Leben der polnischen Gemeinde, die auch in Köln und Umgebung aktiv ist.
Bischof Bertram, der an diesem Festgottesdienst teilnahm, sprach zum Thema Frieden und die unerlässliche Bedeutung von Versöhnung. Er erinnerte an den inspirierenden Briefwechsel zwischen deutschen und polnischen Bischöfen aus dem Jahr 1965, der eine Schlüsselrolle bei der Thematisierung von Vergebung gespielt hat. „Der Frieden aus der Bibel ist eine Vision, die mit zahlreichen Herausforderungen verbunden ist“, stellte er fest, und rief die Anwesenden zu einem gemeinsamen Engagement auf, um diese Vision lebendig werden zu lassen.
Die Geschichte der polnischen Mission in Deutschland
Die Seelsorge für die in Deutschland lebenden Polen blickt auf eine lange Tradition zurück, die bis ins Kaiserreich reicht. Seit 50 Jahren engagieren sich die polnisch-katholischen Missionen in Deutschland, und die polnische Mission in Augsburg wurde 1989 ins Leben gerufen. Diese Mission hat sich nicht nur auf die religiöse Betreuung konzentriert, sondern auch auf die Förderung der polnischen Sprache und Kultur in der Diaspora.
Pfarrer Stanislaw Gregorczyk leitet die Gemeinde und hat in Zusammenarbeit mit dem Christlichen Zentrum zur Förderung der Polnischen Sprache, Kultur und Tradition in Augsburg e.V. eine Vielzahl von Programmen für Kinder initiiert. Hier wird die polnische Sprache lebendig gehalten, was besonders in einer zunehmend säkularen Gesellschaft von Bedeutung ist.
Deutsch-polnische Beziehungen: Ein Rückblick
Doch die Geschichte der polnischen Gemeinde in Deutschland ist eng verwoben mit den wechselhaften deutsch-polnischen Beziehungen, die seit mindestens dem 10. Jahrhundert bestehen. Die ersten schriftlichen Erwähnungen eines polnischen Herrschers durch deutsche Historiker zeugen von einem komplexen und oft konfliktbeladenen Verhältnis zwischen den Ländern, das von Kriegen, Konflikten aber auch von kulturellen Verbindungen geprägt ist. Auch die positive Entwicklung der Beziehungen nach dem Fall des Kommunismus zeigt, wie Wandel und Versöhnung möglich sind, auch wenn sie oft große Herausforderungen mit sich bringen.
Bildung und Kultur spielen dabei eine wesentliche Rolle: Freundschaften zwischen Künstlern wie Adam Mickiewicz und Johann Wolfgang von Goethe sind bis heute ein Zeichen für die lange und tief verwurzelte Verbindung zwischen den Nationen. Schlüsselmomente wie das Hambacher Fest 1832 und die Zusammenarbeit in gemeinsamen Kämpfen, etwa 1848, belegen die bestehenden Brücken zwischen den Kulturen.
Die Gegenwart bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Politische Spannungen, insbesondere seit dem Aufstieg der PiS in Polen zwischen 2015 und 2023, haben die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen belastet. Die Diskussionen über Reparationen und andere Streitpunkte werfen einen Schatten auf die historisch geknüpften Bande. Doch mit der Wahl von Donald Tusk im Jahr 2023 gibt es Hoffnung auf eine Normalisierung und eine Rückkehr zu einem vertrauensvollen Austausch.
In einem Europa, in dem Erinnerungen an Kriege oft verblassen und das Thema der Versöhnung weniger Gewicht bekommt, bleibt das Engagement der polnisch-katholischen Gemeinden und Organisationen zentral. Sie arbeiten unermüdlich daran, den Dialog zu fördern und die kulturellen Verbindungen zu stärken. So bleibt die Geschichte der Kirche „Zur Göttlichen Barmherzigkeit“ nicht nur ein Zeichen der Vergangenheit, sondern auch ein Wegweiser für die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen.