Am 20. Februar 2026 fand in Augsburg eine Gedenkveranstaltung zum sechsten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau statt. Der Anschlag ereignete sich im Februar 2020, als ein 43-jähriger Deutscher an zwei Tatorten neun Menschen mit Migrationsgeschichte erschoss und anschließend seine Mutter tötete, bevor er Suizid beging. Bei der Kundgebung, an der rund 150 bis 200 Personen teilnahmen, wurde der Opfer gedacht und Solidarität mit den Angehörigen ausgedrückt. Die Veranstaltung begann am Rathausplatz in der Augsburger Innenstadt und wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet, das über 25 Polizeifahrzeuge um den Rathausplatz versammelte. Die Redner kritisierten das Versagen des Staates und der Polizei, während Gruppen aus dem linksextremen Spektrum zur Demonstration aufgerufen hatten. [1]

Ein weiteres tragisches Detail ist, dass einer der Schwerverletzten, Ibrahim Akkuş, im Januar 2026 an den Folgen seiner Verletzungen starb. Der Täter, Tobias R., hatte in der Arena-Bar auf ihn geschossen. Der Jahrestag des Anschlags in Hanau wurde von Oberbürgermeister Claus Kaminsky ohne große Gedenkfeier begangen. Er lud die Angehörigen zu stillem Gedenken an zwei Tatorten ein und äußerte, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus in den letzten Jahren nicht erfolgreich gewesen sei. Zudem kritisierten Angehörige die mangelnde Aufklärung des Anschlags und das Desinteresse der Behörden. Der rassistische Anschlag hat bis heute zu keinem Gerichtsverfahren geführt, was die Betroffenen und deren Familien sehr frustriert.[2]

Schwierigkeiten bei der Aufklärung

Die Kurtovićs, die um ihren Sohn Hamza trauern, der im Alter von 22 Jahren ermordet wurde, haben selbst Missstände aufgedeckt, die vom Wiesbadener Untersuchungsausschuss bestätigt wurden. Insbesondere fanden sie heraus, dass der Notausgang in der Arena-Bar regelmäßig verschlossen war. Die Polizei Hanau bestreitet, dass diese Schließung auf Anordnung von Polizisten geschah. Die Staatsanwaltschaft Hanau hat nie von sich aus ermittelt; die Kurtovićs mussten Anzeige erstatten. Auch die Eltern von Vili Viorel Păun, der versuchte, die Polizei zu erreichen, konnten aufgrund eines veralteten Notrufsystems nicht durchkommen. Der Wiesbadener Untersuchungsausschuss bestätigte die technischen und personellen Mängel beim Notruf. Bis heute gab es keine rechtlichen Konsequenzen für die Schließung des Notausgangs oder die Probleme beim Notruf.[2]

Gesellschaftliche Auswirkungen

Die Geschehnisse in Hanau und die damit verbundene rassistische Diskriminierung sind nicht nur Einzelfälle, sondern spiegeln ein größeres gesellschaftliches Problem wider. Laut Cihan Sinanoğlu vom DeZIM-Institut erleben fast die Hälfte der Menschen in Deutschland, die ethnischen oder religiösen Minderheiten angehören, regelmäßig rassistische Diskriminierung. Dies hat auch erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Betroffenen. Eine Untersuchung zeigt, dass rassistisch markierte Personen durchgängig höhere psychische Belastungen erfahren als nicht rassistisch markierte. Diese Diskrepanz bleibt über die Jahre stabil, was die Dringlichkeit verdeutlicht, rassistische Diskriminierung und ihre Folgen ernsthaft zu bekämpfen.[3]