In Bad Tölz-Wolfratshausen sorgt ein Friseursalon für Aufsehen: Der „Lion’s Barbershop“ unter der Leitung von Bulli Selmani bietet im Februar kostenlose Haarschnitte und Rasuren für Menschen mit geringem Einkommen an. Während am Vortag sechs Kunden den Weg in den Salon fanden, blieb es am heutigen Tag bis zum Nachmittag ruhig. Selmani hat sich entschieden, keine Überprüfung der Bedürftigkeit vorzunehmen, um die Hemmschwelle zu senken und sicherzustellen, dass sich niemand erniedrigt fühlt. „Es ist wichtig, dass die Menschen sich wohlfühlen“, so Selmani. Dieses Angebot gilt jeweils dienstags und mittwochs und stellt eine wertvolle Unterstützung für die lokale Gemeinschaft dar. Weitere Informationen zu diesem Angebot sind in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zu finden.
Doch der „Lion’s Barbershop“ ist nicht die einzige Initiative, die sich um die bedürftigen Menschen kümmert. Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist die Barber Angels Brotherhood, ein Team von etwa 50 Friseurinnen, das deutschlandweit kostenlose Haarschnitte und Bartpflege für obdachlose und bedürftige Menschen anbietet. Die Initiative wurde von Claus Niedermaier, einem Friseur aus Baden-Württemberg, im Herbst 2016 ins Leben gerufen, inspiriert durch einen Fernsehbericht über die Lebenssituation von Obdachlosen. Die Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag von 15 Euro und tragen die Kosten für Unterkunft und Schneideutensilien selbst. Die Barber Angels tragen spezielle Rockerkleidung, um Hemmungen abzubauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen.
Regelmäßige Einsätze und Unterstützung
Die Barber Angels sind in vielen Städten aktiv, darunter München, Stuttgart, Düsseldorf und Köln. Pro Stadt finden regelmäßig Schneideaktionen alle vier Wochen statt, ergänzt durch ein „Kick-off-Event“. Die Organisation konnte seit ihrer Gründung bereits über 40.000 Menschen in mehr als 400 Einsätzen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, auf Mallorca und in den Niederlanden unterstützen. Ein bemerkenswerter Einsatz fand nach einer Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie am 30. August in Berlin Wedding statt, wo ein rein weibliches Friseur-Team in zwei Schichten arbeitete.
Die Barber Angels Brotherhood wurde am 27. November 2016 als gemeinnütziger Verein eingetragen und hat mehr als 300 Mitglieder. Die Friseurinnen arbeiten in ihrer Freizeit, meist an Sonntagen oder Montagen, und engagieren sich für eine gute Sache. Claus Niedermaier, der Gründer, bringt eine beeindruckende berufliche Erfahrung mit, da er zuvor in Städten wie London, Paris und Mailand tätig war und seit 1992 den Salon „Figaro Claus“ in Biberach an der Riß betreibt.
Ein wichtiger Beitrag zur Gesellschaft
Initiativen wie der „Lion’s Barbershop“ und die Barber Angels Brotherhood verdeutlichen, wie wichtig es ist, soziale Barrieren abzubauen und Gemeinschaften zu unterstützen. In einer Zeit, in der viele Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, bieten solche Angebote eine wertvolle Möglichkeit, Wertschätzung und Selbstwertgefühl zurückzugeben. Die Hemmungen, die oft mit der Inanspruchnahme solcher Dienstleistungen verbunden sind, werden durch die unkomplizierte und einfühlsame Herangehensweise dieser Friseur*innen erheblich gemindert.
Insgesamt zeigen diese Beispiele, dass die Friseurbranche nicht nur für schönere Frisuren, sondern auch für soziale Gerechtigkeit und Unterstützung in der Gesellschaft steht. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen weiterhin bestehen und eine breitere Wirkung erzielen können.